Mitgefühl ist eine Programmierung

Die meisten Menschen würden behaupten, dass Mitgefühl eine Tugend sei, die es zu fördern gilt und dass es moralisch verwerflich sei, das Gegenteil zu behaupten.

Und jemand, der kein Mitgefühl hat?

Der ist kaltherzig!

Eh klar!

Oder?

Oder bist du kaltherzig, wenn du anderen vorschreiben willst, wann sie Mitgefühl haben müssen?

Bist du dir sicher, dass dein Herz offen ist, während du das von anderen verlangst?

Bist du dir sicher, dass dein Herz offen ist, wenn du Mitgefühl hast?

Oder ist es eher verschlossen, weil du nicht bereit bist, dein Gefühl, das DU gerade hast, mit dir mitzufühlen?

Tatsächlich ist programmiertes Mitgefühl immer Mitleid.

Die meisten Menschen würden behaupten, sie helfen aus Mitgefühl.

Tatsächlich helfen sie, weil sie Angst haben, selbst einmal betroffen zu sein und dann nicht alleine gelassen werden wollen.

Die meisten Menschen diskutieren auch über alle möglichen Dinge, haben eine Meinung darüber und beschweren sich, wie schlimm bestimmte Umstände seien – aus Angst, selbst einmal betroffen zu sein.

Mitgefühl ist eine Illusion.

Du kannst nur denken, dass du das Gefühl eines anderen fühlst.

Tatsächlich fühlst du immer nur DEINE Gefühle und nicht die gleichen Gefühle, die jemand anders gerade fühlt.

Da wir das nicht realisieren, neigen wir dazu, andere dringend trösten zu wollen, bevor wir uns mit uns selbst beschäftigt und uns selbst getröstet haben.

Wir wollen andere trösten, weil wir nicht bereit sind, unsere eigenen Gefühle zu fühlen.

Um gleich ein Argument deines Verstandes vorwegzunehmen:

Nein, es spricht nichts dagegen, jemandem zu helfen, der in Lebensgefahr ist!

Mir geht es darum, unsere psychologischen Konstrukte aufzudecken und zu deprogrammieren:

Wenn du Mitleid hast, weißt du gerade gar nicht, ob der andere überhaupt deine Hilfe will, geschweige denn, ob er sie wirklich braucht, selbst dann, wenn er denkt, sie zu wollen.

Unsere klassische Hilfe ist in den wenigsten Fällen wirklich hilfreich. Da wir selbst Situationsvermeider sind, wollen wir auch anderen dabei helfen, bestimmte – aus unserer Sicht unangenehme – Situationen zu vermeiden.

Die meisten klugen Ratschläge entspringen dieser Annahme.

Wenn du Mitgefühl hast, weißt du, dass der andere nicht auf deine Hilfe angewiesen ist, weil du gerade mit dir mitfühlst:

Du fühlst alle Gefühle, die der andere gerade in dir auslöst.

Mitgefühl ist eine Programmierung.

Mitgefühl anderen gegenüber existiert nicht und ist eine Illusion.

Mitgefühl ist gar nicht definierbar und wird bis heute falsch verstanden und missinterpretiert.

Du kannst nicht die Gefühle eines anderen fühlen.

Du kannst dich auch nicht in andere oder in die Situation von anderen hineinversetzen.

Du fühlst immer nur deine Gefühle, nie die Gefühle eines anderen.

Nur weil du schon einmal in einer ähnlichen Situation warst, heißt das nicht, dass du dich fühlst wie der andere.

Nimm dich selbst wahr und gib dadurch die Illusion von Mitgefühl anderen gegenüber auf.

Fühle als allererstes mit dir.

Fühle dein Gefühl.

Das ist Mitgefühl!

Erst wenn du dich selbst wieder wahrnimmst, kannst du andere wahrnehmen.

Das Wort »Mit-Gefühl« ist irreführend und die meisten Menschen verwenden es, während sie tatsächlich Mitleid haben.

Mitgefühl ist nicht das, was wir daraus gemacht haben.

Mitgefühl ist eine Übersprungshandlung, weil ich meine Gefühle nicht fühlen will.

Mitgefühl im Sinn von »Ich fühle mit dir mit (und will dir dringend helfen, dieses Gefühl nicht mehr zu haben).« ist nicht hilfreich.

Mitgefühl bedeutet: Ich bin mit meinem Gefühl bedingungslos hier.

Ganz egal, welches Gefühl das gerade ist.

Mitgefühl ist nicht, das Gefühl des anderen nachvollziehen können, sondern der Raum, in dem alle Gefühle da sein dürfen.

Wenn du diesen Raum für dich und andere öffnen kannst, verschwindet das Leid.

Wir brauchen niemanden, der uns auffängt.

Wir sind hier, um uns selbst aufzufangen.

Kennst du das, wenn du im Traum fällst und plötzlich fühlt sich das Fallen gar nicht mehr wie Fallen, sondern wie Schweben oder sogar wie ein Aufstieg an?

Du kannst hier gar nicht fallen.

Deshalb kannst du auch niemanden retten.

Aber du kannst dich selbst retten, indem du dich fallen lässt.

Also: Lass dich fallen!

Gib auch anderen die Freiheit, sich fallen zu lassen und halte sie nicht durch Auffangen, Mitleid oder Trost davon ab.

Lass dich auf dein Fallen ein, dann kannst du dich später auch auf das Fallen der anderen einlassen.

Wenn du das machst, rettest du ganze Universen … in dir!

Denn dadurch kannst du dich auch auf deinen Aufstieg und auf den Aufstieg der anderen einlassen.

Vollkommen nebenbei … während du zu dem erwachst, was du bist:

Du bist nicht der Fall.

Du bist auch nicht der Aufstieg.

Du bist diejenige, die den Fall und den Aufstieg wahrnimmt.

Was ist das, das wahrnimmt?

Kannst du das machen oder bist du zum Wahrnehmen »verdammt«, weil es einfach nicht anders geht?

Die entscheidende Frage ist:

Wen oder was nimmst du wahr?

Den anderen, den du gerne trösten willst, um deine Programmierung aufrecht zu halten und dir selbst die Geschichte vom Mitgefühl zu erzählen?

Oder nimmst du dich selbst wahr und zeigst damit das erste mal in deinem Leben Mitgefühl dir selbst gegenüber?

Inspiriert? Teile deine Inspiration mit der Welt …

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