Wenn Menschen vom Patriarchat, von Faschismus, Narzissmus oder Rassismus sprechen, dann sprechen sie nicht vom politischen oder psychologischen Schlagwort. Sie sprechen von sich. Sie sprechen von ihren Gefühlen. Denn das, worüber sie sprechen, gibt es in den meisten Fällen nicht. Oder zumindest nicht so, wie sie davon sprechen. Du kannst es in den Interviews in ihren Gesichtern sehen. Sie sind hoch emotional und teilweise verwirrt. Sie versuchen, sich in dieser Welt zurechtzufinden und sie versuchen, diese Welt irgendwie so zu erklären, dass sie für sie Sinn macht. Doch diese Welt ist nicht zu erklären. Sie macht auf der Ebene von Schuldzuweisungen absolut keinen Sinn.
Denn dabei unterstellen wir den anderen die Bewusstheit, die wir selbst nicht haben. Wir müssten wissen, warum wir so sind, wie wir sind. Erst dann dürften wir den anderen etwas unterstellen. Doch sobald wir erkennen, wie wir sind, erkennen wir auch die anderen. Und wir erkennen, dass sie nicht absichtlich so sind. Das wissen wir, weil wir uns selbst erkannt haben und sehen können, dass auch wir nicht absichtlich so sind. Selbst dann nicht, wenn wir denken, etwas absichtlich zu machen. In den Schlagworten, Vorwürfen und Schuldzuweisungen verpacken wir unsere Aggression und Verzweiflung. Diese Aggression und Verzweiflung hat mit den anderen nichts zu tun. Wir nehmen jedoch das Narrativ, das uns als Ventil angeboten wird, dankbar an.
Und so entwickeln wir unseren Hass auf das sogenannte Patriarchat und die angeblichen Faschisten, Rassisten und Narzissten. Selbst wenn es die alle gibt und selbst wenn die so böse sind, wie wir denken, bringt es uns überhaupt nichts, unsere Aggression auf sie zu projizieren. Wir kämpfen nicht für das Gute, wenn wir gegen das Böse kämpfen. Wir kämpfen dann immer noch gegen das Böse. Und tatsächlich kämpfen wir gegen das Böse in uns, das wir nach außen projizieren. All diese Vorwürfe an andere sagen in erster Linie etwas darüber aus, wie wir behandelt werden wollen. Und das dürfen wir jederzeit ansprechen und dazu können wir stehen.
Es geht dir nie um die Narzissten. Wenn, dann geht es dir um einen Menschen, der dich nicht so behandelt, wie du gerne behandelt werden möchtest. Und das kannst du ihm sagen. Sobald du aber deine Gefühle auf eine Gruppe projizierst, behandelst du andere so, wie du nicht behandelt werden willst. Und ab diesem Zeitpunkt wird es ein gordischer Knoten. Denn die Gegenseite macht genau das Gleiche. Jetzt sind es zwei verfeindete Gruppierungen, die nur noch theoretisch übereinander sprechen. Sie sagen jetzt nicht mehr, was ihnen am Verhalten des anderen nicht passt, sondern sie sprechen darüber, wie der andere ist. Damit befinden sie sich in einem Krieg, der keinen Frieden kennt.