Wenn ein Interviewer eigene Ziele hat, kann er keine guten Interviews führen. Dummerweise wird den Kongressveranstaltern versprochen, dass sie mit einem Onlinekongress eigene Ziele erreichen können. Entsprechend schlecht laufen die meisten Onlinekongresse. Und dummerweise werden die meisten Kongressveranstalter den Wert des heutigen Zitats nicht erkennen können. Sie sind getrieben von ihren eigenen Zielen und diese Ziele sind der einzige Grund, warum sie einen Onlinekongress veranstalten. Die Erklärung, die jetzt kommt, ist für alle Menschen, die erfolgreich Interviews führen wollen.
Die meisten Kongresscoaches versprechen ihren Teilnehmern Reichweite beziehungsweise Sichtbarkeit, Einnahmen und Expertenstatus. Das größte Problem liegt im Versprechen des Expertenstatus. Denn der Expertenstatus ist eng verbunden mit dem Ego. Und dieses Ego steht im Weg, wenn es darum geht, gute Interviews zu führen. Wenn du es besser weißt als derjenige, den du zum Interview eingeladen hast, dann hast du ein massives Problem und kannst keine guten Interviews führen. Wirklich gute Interviews setzen Neugierde voraus. Wirklich neugierig bist du nur, solange du bereit bist, dich als Anfänger zu sehen.
Ganz besonders unangenehm wird es, wenn du deinen Expertenstatus dadurch untermauern willst, indem du dem Interviewpartner sagst, wie es tatsächlich ist. Wenn du es bereits besser weißt als dein Interviewpartner, dann brauchst du ihn nicht einladen und nicht interviewen. Der Job des Interviewers ist es nicht, dem Interviewpartner auf Augenhöhe zu begegnen. Es ist auch nicht sein Job, Expertenfragen zu stellen. Wenn du jemandem auf Augenhöhe begegnen willst, dann bedeutet das, dass du dich klein fühlst ihm gegenüber. Und wenn du Experten einlädst, dann ist das nichts Schlechtes. Andernfalls bräuchtest du ja keinen Experten einladen. Dann machst du einfach einen Kurs und bietest ihn an.
Der Wunsch, auf Augenhöhe zu kommunizieren, resultiert aus der eigenen gefühlten Minderwertigkeit. Wenn du dich gegenüber einem Experten nicht minderwertig fühlst, taucht der Wunsch nach Kommunikation auf Augenhöhe überhaupt nicht in dir auf. Es wäre aber nicht nur für dich, sondern vor allem für deine Teilnehmer äußerst wichtig, dass du nicht auf Augenhöhe kommunizieren willst. Denn deine Teilnehmer sind in den meisten Fällen Anfänger. Und Anfänger können nicht auf Augenhöhe kommunizieren. Sie sollten es noch nicht einmal versuchen. Denn sie können nur dann etwas lernen, wenn sie bereit sind, Anfänger zu sein.
Das Gleiche gilt, falls du Expertenfragen stellen willst. Diese Expertenfragen bringen deinen Teilnehmern selten etwas. Selbst dann nicht, wenn sie dein Interviewpartner problemlos beantworten kann. Vor allem aber führt dein Drang, Expertenfragen zu stellen und auf Augenhöhe zu kommunizieren, nicht dazu, dass es fließt. Fließen kann es nur, wenn es einen Niveauunterschied gibt. Und wenn du krampfhaft versuchst, diesen Niveauunterschied zu verstecken, kommt dein Interview niemals in den Fluss. Wenn du dich als Experte präsentieren willst, obwohl du der Fragesteller bist, dann kämpfst du zumindest innerlich gegen denjenigen, den du interviewst. Du willst dann auch etwas Schlaues und Wertvolles für die Zuschauer sagen und übernimmst dabei den Job des Interviewpartners.
Wenn du dich nicht unterordnen kannst oder willst, solltest du keine Interviews führen. Dein Ego schreit bei solchen Aussagen auf, denn es kennt den unfassbar positiven Effekt davon nicht. Wenn du dich unterordnest, bist du der Ermöglicher des Experten. Du bietest ihm eine Plattform, auf der er zur Höchstform und zur vollen Blüte kommen kann. Wenn du ihm das ermöglichst, färbt das garantiert auf dich ab. Wenn du stattdessen nach eigener Geltung strebst, verunmöglichst du sie.