Gefühle anzunehmen bedeutet nicht, Gedanken anzunehmen. Gefühle sind Körperempfindungen und nicht ihre Interpretation. Gedanken sind die Interpretation der Körperempfindung. Jede Bezeichnung, die du einer Körperempfindung gibst, ist nicht die Körperempfindung. Es ist nur das, was du versuchst, damit zu beschreiben. Die Beschreibung ist nicht das Gefühl.
Solange Menschen unterteilen in Körperempfindung, Gefühle und Emotionen, weißt du, dass sie es nicht in der Praxis machen. Sie können den Unterschied zwischen Gedanken und Gefühlen nicht erkennen. Ein Gefühl kann immer nur im Körper existieren. Und im Körper existiert eine Körperempfindung. Kein Name und kein Gedanke dazu. Die Gedanken kommen erst hinterher, selbst dann, wenn sie das Gefühl ausgelöst haben. Dann ist es so: Erst sind Gedanken da, die lösen ein Gefühl aus. Dann kommen Gedanken, die das Gefühl beschreiben. Es sind aber immer noch Gedanken.
Die meisten Menschen können das nicht unterscheiden. Sie glauben deshalb zu verstehen, was es bedeutet, die Gefühle zu fühlen. Tatsächlich verstehen sie es überhaupt nicht. Die Gefühle zu fühlen, kann man nämlich nicht verstehen. Wenn du es tatsächlich tust und deine Gefühle fühlst, dann kommt anschließend keine Erklärung dazu. Und genau das will der Verstand nicht wahrhaben und deshalb kann er Gefühle nicht erkennen. Er kann ihnen nur einen Namen geben und dann so darüber sprechen, als hätte er die Gefühle erkannt. Gefühle können aber nicht erkannt, sondern nur gefühlt werden. Dann haben sie keinen Namen mehr.
Jeder Versuch, dem Gefühl einen Namen zu geben, ist der verzweifelte Versuch des Verstandes, durch Deutungshoheit die Macht über dich zurückzubekommen. Wenn du dem widersprechen willst, hast du noch nie deine Gefühle als Körperempfindung gefühlt. Jeder, der seine Gefühle als Körperempfindung fühlen kann und das auch regelmäßig tut, weiß genau, wovon ich spreche. Nur der Verstand will es nicht wahrhaben. Er sagt dir entweder, dass es nicht notwendig sei oder dass du es schon gut kannst und schon lange tust.
Diejenigen, die es tatsächlich tun, freuen sich über jede Erinnerung. Und sie wissen auch, dass sich nichts mehr verändern muss, wenn sie es tun. Und wenn sich nichts mehr verändern muss, gibt es erstmalig die Möglichkeit, dass es sich verändern kann. In diesem Zustand ist Stillstand genauso willkommen wie Rückschritt oder Fortschritt. Dein Leben besteht dann immer weniger aus Hoffnungen, Wünschen und Träumen und immer mehr aus Gefühlen, die nur im Moment existieren.
Das bedeutet nicht, dass du nie wieder denken kannst und immer nur im Moment lebst. Aber es bedeutet, dass du durch das Fühlen deiner Gefühle als Körperempfindung immer wieder in diesen Moment zurückkehren kannst.