Für die meisten ist es sogar unmöglich. Deshalb ist das heutige Zitat für Fortgeschrittene. Es ist für diejenigen, die bereit sind, bei sich selbst zu schauen. Alle anderen können, dürfen und müssen sogar ihr altes Spiel weiterspielen, bis es ihnen langweilig wird.
Den Lehrer zu hinterfragen ist immer möglich. Es ist aber genau das Gegenteil von dem, was ein guter Lehrer empfiehlt. Ein guter Lehrer empfiehlt noch nicht einmal, dich selbst zu hinterfragen. Dich selbst oder andere zu hinterfragen, mag zu der ein oder anderen interessanten Erkenntnis führen, es führt dich aber nicht in den Frieden. Viel interessanter ist es zu beobachten, warum du den Lehrer oder andere hinterfragen willst.
Dir selbst diese Frage zu stellen bedeutet nicht, dass du es nie wieder tun darfst. Es bedeutet nur, dass du das Spiel anders spielst. Du erkundest dich statt andere. Andere zu erkunden ist zweifelsfrei unfassbar interessant. Solange du aber nicht mit ihnen persönlich sprichst, ist es meistens auch unfassbar hypothetisch. Bei dir selbst wird es konkret, denn du bist ja da. Du kannst ja mit dir selbst sprechen und das machst du sowieso die ganze Zeit. Wenn du dich selbst hinterfragst, wird es interessant. Denn dann brauchst du keine hypothetischen Gedanken mehr. Du kannst dir selbst aus erster Hand berichten. Du kannst dir diejenigen Fragen, die du an andere hättest, selbst beantworten. Und dabei kannst du feststellen, wie schwierig das ist.
Oft musst du zugeben, dass du es gar nicht weißt. Du weißt nicht, warum du dich auf eine bestimmte Art und Weise verhalten hast. Du weißt nicht, warum du etwas geantwortet hast. Und du weißt auch nicht, warum du ausgerechnet so geantwortet hast. So kommst du zu einem Kern des Problems: Wir unterstellen anderen Absicht. Wenn du jetzt bei dir feststellst, es könnte sein, dass es gar nicht deine Absicht war, dann musst du diese Möglichkeit auch bei anderen in Betracht ziehen. Dadurch fällt dein Hinterfragen der anderen plötzlich weg. Das bedeutet gleichzeitig aber auch: Solange du in der Schleife gefangen bleibst, die anderen zu hinterfragen, kannst du dich selbst nicht hinterfragen und kommst deshalb nicht zu der Erkenntnis, dass andere keine Absicht haben könnten oder zumindest nicht die Absicht, die du ihnen unterstellst.
Ein Lehrer, der im Moment lebt, antwortet dir auch im Moment. Deshalb kann er dir die Frage, warum er so geantwortet hat, nicht beantworten. Das bedeutet überhaupt nicht, dass ein Lehrer unfehlbar ist. Aber es bedeutet, dass er nicht anders kann. Er kann es nicht so machen wie die meisten. Er kann nicht angestrengt darüber nachdenken, welche Antwort die richtige ist und sie dir dann fehlerfrei vortragen. Er kann nur im Moment auf das reagieren, was hier ist.
Wenn du auch all das hinterfragen möchtest, dann ist das natürlich möglich. Die Frage ist nur, ob es auch hilfreich ist.