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    21.8.2026AQ 3192
    »Standards sind künstlich.«
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    Da wir uns aber an die Standards gewöhnt haben, halten wir sie für selbstverständlich und kämpfen gegen ihren Wegfall. Ganz besonders deutlich wird das im Arbeitsleben. Denn alle Branchen und alle Berufe sind standardisiert. Diese Standards werden auch nicht mehr hinterfragt. Es wird einfach so gemacht, wie es einem gesagt wird. Diese Branchen oder Berufsstandards sind aber nicht gottgegeben. Irgendjemand hat die mal erfunden und seitdem wurden sie beibehalten. Das heißt nicht, dass es nur so geht, aber es wird von allen so gemacht. Und wenn es einer nicht so macht, ist er der Komische. Das Verrückte ist, dass wir uns gerade im Berufsleben gegen jede Veränderung eines Standards wehren. Wir wollen es nicht wahrhaben, dass es sich verändert hat, weil wir uns so sehr daran gewöhnt haben, wie es standardmäßig ist.

    Ein aktuelles Beispiel ist, dass zur Zeit die Synchronsprecher langsam, aber sicher ihre Jobs verlieren. Den meisten Deutschen ist das überhaupt nicht klar, aber das ist auch fast nur in Deutschland möglich. In vielen anderen Ländern werden Filme nicht synchronisiert. Dort läuft immer das Original mit Untertiteln. Und weil es Menschen gibt, die sich an diesen Standard gewöhnt haben und die von diesem Standard leben, weil es ihr Beruf ist, schreiben sie jetzt Briefe an die Regierung und organisieren Petitionen, um ihren Beruf als Kunstform zu bewahren. Sie machen das schon so lange, dass sie es gerne beibehalten würden und alle pflichten ihnen bei, statt sie zu fragen, ob sie verrückt sind. Wenn es jetzt dann Herbst wird und anschließend Winter — versuchst du, dich dagegen zu wehren? Schreibst du Briefe an die Regierung, die das warme Wetter beschützen soll? Oder kaufst du dir eine Decke und eine Wärmflasche?

    Beispiele wie die Synchronsprecher gibt es viele. So haben zum Beispiel die Streamingdienste das Leben der Musiker komplett verändert. Einige von ihnen haben sich darüber beschwert. Ich frage mich dagegen: Was war das vorher für ein seltsamer Standard? Junge Menschen haben Verträge unterschrieben, die sie nicht verstanden haben, die ihnen aber ein Leben als Popstar garantiert haben. Dadurch wurden sie in eine Welt geworfen, für die sie überhaupt nicht bereit waren. Sie hatten keine Erfahrung und sie hatten keine Zeit für Entwicklung. Und deshalb mussten sie dann wie die Marionetten tanzen. Gleichzeitig wurde dieses Leben ikonisiert, als wäre es der Idealfall, der ideale Standard. Tatsächlich war es das Grauenvollste, was dir passieren konnte, frühzeitig erfolgreich zu sein. Denn so hast du nichts oder nur wenig gelernt. Und warum bitte soll es der Standard sein, dass man als Musiker lediglich alle drei Jahre ein Album veröffentlichen und eine Tour organisieren muss und komplett davon leben kann?

    Ich sage nicht, dass das nicht möglich sein soll und dass es so etwas nicht geben darf. Ganz im Gegenteil. Aber warum sollte das ein Standard sein? Durch diese Standards entwickeln wir Erwartungshaltungen, die nicht nur unrealistisch sind, wir setzen uns dadurch vor allem die vollkommen falschen Ziele. Und wir erwarten dann sogar noch, dass wir dafür eine Garantie bekommen. Ich selbst habe ja ein Abenteuer in der Verlagsbranche hinter mir und ich kann dir sagen, dass mich jeder einzelne Standard angekotzt hat. Die Menschen, die in den Verlagen arbeiten, konnten sich zwar meinen Erfolg nicht erklären, sie wussten aber ganz genau, wie es weitergeht. Und deshalb haben sie versucht, mich an ihren Standard anzupassen. Ich sollte dem Verlag nicht nur Texte geben, diese Texte sollten auch noch exklusiv sein und am besten zwei bis vier pro Monat, idealerweise im Voraus und alle auf einmal, damit man sie alle gleichzeitig einpflegen kann.

    Als ich realisiert habe, dass sie mich an ihren Standard anpassen wollen, bin ich nach nur wenigen Monaten wieder ausgestiegen. Und genau das trauen sich die meisten Menschen in standardisierten Berufen und Branchen nicht. Sie glauben, das bleibt jetzt so für immer und sie sind auch überzeugt davon, dass es für immer so bleiben sollte. Kein echter Unternehmer kann so etwas fordern. Und da jeder Mensch Lebensunternehmer ist, kann es kein einziger Mensch fordern. Du kannst weder von der Wirtschaft noch von den Menschen und schon gar nicht vom Leben fordern, dass die Umstände gleich bleiben und sich die Standards nie wesentlich ändern. Besser gesagt, du kannst es natürlich fordern, aber diese Forderung wird niemals erfüllt werden.

    Standards und Routinen, also auch das, was dir in der Spiritualität jeder beibringen will, sind künstlich und verhindern den Künstler in dir.

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