Das heutige Zitat ist noch einmal aus der Reihe "Spiritualität für Erwachsene".
Wenn du bettelst, dann bist du entweder bereits schwach, oder es macht dich schwach. In einer Position oder aus der Position der Schwäche wollen wir das nicht wahrhaben. Wir glauben, es würde uns stärken, wenn wir uns etwas erbetteln. Wir versuchen es günstiger oder kostenlos zu bekommen und denken dann, wir hätten uns etwas gespart. Bevor wir aber etwas sparen, haben wir uns als Erstes den Aufwand gespart, der notwendig wäre, um das zu bekommen, was wir uns erbetteln wollen. Wir haben also keinen Aufwand betrieben, um das zu bekommen, was wir wollen. Beziehungsweise wir haben den Aufwand ins Betteln gesteckt, statt in etwas anderes, mit dem wir uns die Mittel besorgen, mit denen wir dann das Gewünschte bezahlen.
Es ist also einfach ein Verschiebebahnhof. Wir werden Spezialisten im "etwas günstiger oder kostenlos bekommen", statt darin uns die notwendigen Ressourcen zu erwirtschaften. Währenddessen sehen wir uns als Opfer der Umstände und nicht als Opfer unserer seltsamen Entscheidungen. Unsere Entscheidungen sind aber seltsam. Es ist nämlich nicht so, dass wir gar keine Energie haben und gar keine Energie investieren. Wir entscheiden uns nur, sie in das zu investieren, was uns weiterhin schwächt.
Und das ist alles meine eigene Erfahrung. Ich hätte mich früher nicht verstanden. Ich wäre überzeugt davon gewesen, dass ich wirklich das Opfer bin. Mittlerweile sehe ich das vollkommen anders. Das hat aber nicht mit tollen äußeren Veränderungen begonnen. Das waren alles innere Prozesse, die lange vor der äußeren Veränderung begonnen haben. Was nach außen wie Selbstermächtigung aussieht, hat mit der Bereitschaft begonnen, für immer der Versager zu sein. Und der Beginn dieser Bereitschaft war nicht eine Sekunde, eine Minute, eine Stunde, ein Tag, eine Woche. Es waren Jahre.
Und genau das kann man sich als Opfer nicht vorstellen. Man will es nicht mehr aushalten. Man will es nicht mehr ertragen. Und so schwächt man sich weiter, indem man glaubt, dass man Dinge braucht, die man sich nicht leisten kann. Und das, obwohl man bereits die Erfahrung gemacht hat, dass einem Dinge, die man sich leisten konnte, überhaupt nichts gebracht haben. Je mehr du dir leisten kannst, desto mehr Dinge wirst du dir leisten können, die dir nichts bringen.
Solange du arm bist, näherst du dich vom Mangel aus an die Spiritualität an. Und wenn du reich bist, näherst du dich von der Fülle an die Spiritualität an. Das eine ist nicht besser oder schlechter als das andere. Aber solange du bettelst, schwächt es dich und versperrt dir dadurch den Weg zur Spiritualität. Du machst diesen Weg frei, indem du dich nicht mehr als Opfer der Umstände siehst. Du bist kein Bettler. Du bist ein König. Und bevor ein König bettelt, verzichtet er lieber.