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    15.8.2026AQ 3186
    »Narzissmus ist Mindfuck de luxe.«
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    Wenn du anderen ihren Narzissmus vorwirfst, ist das eine wunderbare Ablenkung von dir. So musst du wieder einmal nicht nach innen gehen, nicht bei dir schauen und es sind weiterhin die anderen schuld. Das war auch schon so, bevor du das Thema Narzissmus für dich entdeckt hast. Jetzt hast du ein neues Thema. Dieses Thema ist die beste Ablenkung, die es gibt.

    Du bekommst aus den unterschiedlichsten Quellen jede Menge Futter und es werden dir alle zustimmen, dass die Narzissten die eigentlichen Tyrannen sind. Selbstverständlich hat das auch niemals irgendetwas mit dir zu tun. Das wäre ja Täter-Opfer-Umkehr und du bist ganz sicher das Opfer. Schließlich haben es die Narzissten regelrecht auf dich abgesehen. Mit dem Vorwurf von Narzissmus fütterst du dein Ego, dass das Opfer sein und bleiben will. Der Vorwurf von Narzissmus ist sogar dein Ego. Denn solange die anderen die Bösen sind, kannst du nichts machen.

    Ich weiß, dass dieses Thema schwierig ist. Es ist schwierig, weil wir alle Opfer sind. Wir haben gelernt, das zu sein, was wir waren: ein Opfer. Und obwohl wir es jetzt nicht mehr sind, suchen wir immer noch nach der Begründung, warum wir eines sind, weil wir uns so fühlen. Und die einfachste Begründung ist, herauszufinden, wie die anderen sind. Die sind — und das meine ich vollkommen unironisch — leichter zu beobachten. Es ist leichter herauszufinden, was bei den anderen schiefläuft, als herauszufinden, was bei uns selbst schiefläuft. Deshalb freuen wir uns so, wenn wir die Fehler bei den anderen finden. Schlimm wäre es für uns, wenn die keine Fehler hätten oder wenn wir keine Fehler finden würden. Denn dann müssten wir tatsächlich bei uns schauen.

    Also ist es besser, wir haben Diagnosen für die anderen. Deshalb boomt alles, was andere untersucht und diagnostiziert. Wir lesen ihre Körpersprache und ihre Horoskope. Wir analysieren ihr Verhalten und finden Verhaltensauffälligkeiten. Und dann nehmen wir medizinische Fachbegriffe und Diagnosen und weisen sie jedem zu, der uns gerade über den Weg läuft. Etwas, was ein anständiger Psychiater übrigens nie machen würde. Eine Narzissmus-Diagnose bekommen diejenigen, die darunter leiden. Und so könnten wir uns die Frage stellen, welche Diagnose wir verdient hätten, wenn wir darunter leiden, ein Opfer zu sein.

    Ich bestreite überhaupt nicht, dass es unangenehme Menschen gibt. Ganz im Gegenteil. Da draußen laufen jede Menge Arschlöcher durch die Gegend. Es stellt sich aber die Frage, wie ich mit ihnen umgehe und ob ich mir von ihnen den Tag versauen lasse. Wenn ich herausfinde, dass es mir schlecht geht, weil ein anderer Narzisst ist, dann habe ich in dem Moment jede Möglichkeit für Veränderung und Heilung an andere abgegeben.

    Mir ist es egal, welche Diagnose du jemandem gibst. Mir ist es auch egal, wie ein bestimmtes Verhalten klinisch beschrieben und gedeutet wird. Mich interessieren nur zwei Dinge. Bin ich gerne bei diesem Menschen? Und hilft er mir, mein eigenes Ego zu erkennen? Es muss nicht immer schön sein, damit es gut ist. Es darf auch hart und herausfordernd sein. Die Frage ist: Leide ich? Oder mache ich etwas daraus?

    Die anderen zu analysieren ist nett. Herauszufinden, wie du bist, ist härter.

    Narzissmus