In der heutigen Audio möchte ich über meine wohl kontroverseste Aussage sprechen. Als ich sie das erste Mal in einem Retreat gemacht habe, waren viele schwer betroffen und erschüttert. Gleichzeitig ist sie aber auch so reingefahren, dass sie etwas verändert hat. Diese Aussage lautet: "Kotz deine Freude nicht auf andere aus."
Wir leben in einer Welt, in der wir versuchen, unsere Gefühle auf andere zu übertragen. Wenn wir beginnen, das zu erkennen, erkennen wir es meistens bei den negativen Gefühlen. Und wir würden im Traum nicht darauf kommen, dass wir es auch bei den positiven Gefühlen versuchen und dass auch das falsch ist. Wir wollen doch nur unsere Freude teilen! Was als Begründung so unschuldig daherkommt, ist in Wahrheit das Gleiche wie bei den negativen Gefühlen.
Wir sind nicht bereit, unsere Gefühle zu fühlen. Und weil wir nicht bereit sind, unsere Gefühle zu fühlen, wollen wir sie auf andere übertragen. Wir erzählen ihnen entweder wie schlimm oder wie schön es ist. In beiden Fällen nehmen wir nicht wahr, wie es für uns tatsächlich ist. Wir fühlen nicht, sondern reden darüber. Und mit der Anziehung verhält es sich ganz genauso. Wir wollen den anderen von unserer Anziehung berichten, bevor wir es selbst für uns ausprobiert haben. Oder wir haben es vielleicht einmal gemacht, fanden es gut und wollen dann alle davon überzeugen.
Auch deine Anziehung ist aber für dich und nicht für die anderen. Das klingt vielleicht egoistisch. Tatsächlich ist es egoistisch, deine Anziehung auf andere übertragen zu wollen. So gesehen könnte man auch sagen, dass Anziehung tatsächlich egoistisch ist, doch wenn du sie richtig lebst, nämlich für dich, so wie sie gedacht ist, ist sie gegen dein Ego gerichtet. Dein Ego will andere mit reinziehen. Deine Anziehung zieht dich mit rein. Deine Anziehung wird also dein Ego zerstören. Allerdings nur, wenn du sie für dich lebst. Solange du versuchst, Gott und die Welt damit zu bereichern, nutzt du sie, um dein Ego zu stabilisieren.
All deine Gefühle sind für dich und nicht für die anderen gedacht. Wir gehen aber mit allen unseren Gefühlen so um, als wären sie für jeden — außer uns selbst.