Zu erkennen, dass viele Verschwörungstheorien auch Verschwörungspraxis sind, kann sehr hilfreich sein. Dazu musst du aber lernen, damit umzugehen, dass du belogen wurdest. Und um damit umgehen zu können, musst du erst einmal erkennen, dass es verschiedene Formen der Lüge gibt. Es gibt nämlich Menschen, die lügen dich absichtlich an und es gibt Menschen, die lügen dich unabsichtlich an. Diejenigen, die dich unabsichtlich anlügen, glauben selbst an eine Lüge. Das bedeutet damit auch, dass sie dich gar nicht anlügen. Sie glauben so sehr daran und sind so überzeugt, dass sie sich keine andere Wahrheit vorstellen können. Sie sind Opfer von Propaganda, ohne es zu merken.
Die Spirituellen weichen diesem potenziellen Konflikt meistens dadurch aus, dass sie behaupten, jeder hätte seine eigene Wahrheit. Damit relativieren sie jede Erkenntnis und wenn sie danach leben würden, würde nichts mehr funktionieren. Wenn jeder einfach seine eigene Wahrheit hat, dann fährt der eine bei Grün, der andere bei Gelb und der andere bei Rot. Das würde bedeuten, dass der Mensch nicht zur Erkenntnis fähig ist und auch nicht die Fähigkeit hat, sich gemeinsam mit anderen auf etwas zu einigen.
Die Sackgasse der Verschwörungserkenntnis lässt sich aber auflösen — und zwar durch Selbsterkenntnis. Und die wichtigste Selbsterkenntnis ist: "Unter den richtigen falschen Umständen könnte ich auch so sein." Oder sogar die Erkenntnis: "Ich war schon einmal so. Ich habe das auch getan. Vielleicht nicht im großen Stil, aber immerhin im kleinen." Solange ich behaupte, ich sei ein besserer Mensch, ich könnte niemals so sein und mir könnten keine Fehler passieren, treibe ich in mir einen Keil zwischen mich und die anderen. Und so trete ich dann auch nach außen auf. Ich verurteile diejenigen, die das tun, was ich verurteile.
An dieser Stelle kommt ein verrückter und schöner Widerspruch. Denn von dem, was die anderen tun, ist ja auch eine ganze Menge verurteilenswert. Es spricht deshalb überhaupt nichts dagegen, das zu benennen. Die Frage, die sich stellt, ist aber: Arbeitest du dich daran auf? Und bist du deshalb nicht mehr in der Lage, ein schönes Leben zu führen? Falls du wirklich nicht mehr in der Lage bist, ein schönes Leben zu führen, musst du dich unbedingt fragen, was es in dir gibt, das mit diesen äußeren Umständen in Resonanz geht.
Warum liegt dein gesamter Fokus auf Verschwörungserkenntnis? Und warum verweigerst du dich gleichzeitig deiner Selbsterkenntnis?