Die Nutzung deines gottgegebenen Talents liegt nicht in der Art der Verwendung. Es genügt, dass du es irgendwie verwendest. Du musst damit zum Beispiel kein Geld verdienen. Das ist die Idee von Berufung. Und wie bei den meisten Ideen, die wir haben, zäumen wir das Pferd auch beim Thema Berufung von hinten auf. Wenn du das, was ich dir heute erkläre, anwendest, dann brauchst du nie wieder über Berufung nachdenken.
Wenn wir das Wort "Berufung" hören, versuchen wir, strategisch vorzugehen. Wir möchten mit unserem Talent und mit dem, was uns Freude bereitet, Geld verdienen. Das sind zu viele Bedingungen auf einmal. Der einfachere Weg ist es, dein gottgegebenes Talent zu verwenden, es einzusetzen, ganz egal, wann, ganz egal, wo und ganz egal, wie. Vor allem aber vollkommen unabhängig davon, ob du dafür Geld bekommst. Das ist der strategiefreie Weg zur Berufung. Der Weg ohne Wenn und Aber.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass du glaubst, dein Talent sei verschüttet. Es wäre nicht so leicht zu finden. Du glaubst, dass sich andere leichter tun. Vor allem jene, deren Talent offensichtlich sei. Schließlich werden die auch für ihr Talent gelobt. Sie bekommen ständig positive Rückmeldungen, weil ihnen Menschen, die von ihrem Talent berührt sind, sagen, wie wunderbar und großartig sie sind. Das gibt es tatsächlich. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass diejenigen ihr gottgegebenes Talent auch verwenden.
Es gibt Menschen — und wahrscheinlich gar nicht so wenige — die es schaffen, selbst unter diesen Umständen ihr Talent komplett zu ignorieren. Das klingt verrückt und unglaublich. Aber ich kenne solche Fälle. Diese Menschen sind nicht nur nicht überzeugt von ihrem Talent, sie können es überhaupt nicht wahrnehmen, weil es ihnen vollkommen selbstverständlich erscheint. Deshalb verdienen sie Geld mit etwas Banalem, vielleicht sogar mit etwas, das ihnen schwerfällt. Zumindest schwerer, als ihr Talent zu leben. Aber — und jetzt kommt der entscheidende Punkt — sie leben ihr Talent noch nicht einmal in ihrer Freizeit. Oder sie leben es so eingeschränkt, dass es gar nicht richtig zur Geltung kommt.
Dein Talent ist übrigens etwas, wofür du sehr wahrscheinlich sogar kritisiert wirst. Zumindest wird es von deinem bestehenden Umfeld nicht wirklich gesehen und anerkannt. Meine Eltern sind zum Beispiel bis heute der Meinung: "Der kann halt gut reden." Mit diesem Reden habe ich sie als Kind genervt. Meine Eltern konnte ich mir nicht aussuchen. Diejenigen, die von dem, was ich mache, berührt sind, muss ich mir nicht aussuchen, denn sie suchen mich aus. Das geht aber nur, indem ich ihnen das zeige, was mein gottgegebenes Talent ist. Solange ich es zurückhalte, gibt es keine Möglichkeit, dass sie mich finden.
Solange mich die Worte und die Kritik meiner Eltern beeinflussen und ich mich deshalb zurückhalte, gibt es nicht den Hauch einer Chance, meine Berufung zu leben.