Die meisten Menschen haben ein vollkommen falsches Verständnis von Macht und damit auch ein falsches Verständnis von Menschen, die Macht haben. Sie glauben entweder, dass Macht weitergegeben wird oder dass man sie sich erkämpfen kann. Beides stimmt nur bedingt. Denn tatsächlich ist Macht ein Fetisch. Und der entsteht folgendermaßen: Es gibt kaum einen Menschen mit Macht, der nicht dafür kriechen musste.
Wenn du den Wunsch hast, Macht zu erlangen, dann erreichst du das am besten, wenn du gleichzeitig den Wunsch hast, dich zu unterwerfen und dafür belohnt zu werden. Und als Belohnung für deine Unterwerfung bekommst du Macht. Zumindest ist das weltliche Spiel so aufgebaut. Wenn du Macht willst, musst du beweisen, dass du dich unterwerfen kannst. Es ist dabei vollkommen egal, auf welcher Ebene dieses Spiel stattfindet. Du kannst dieses Spiel als Politiker, der öffentlich gedemütigt wird, unter den Augen aller spielen oder du kannst es als Schauspieler auf der Besetzungscouch erleben.
Weltliche Macht funktioniert nur über die Lust an der Unterwerfung. Denn es wird immer andere geben, die mächtiger sind als du und die deshalb bestimmen können, was du zu tun hast, während du bestimmst, was andere zu tun haben. Vielleicht hast du dich schon einmal darüber gewundert, welche Menschen Macht besitzen. Dann hast du dich wahrscheinlich auch schon darüber gewundert, warum das Menschen sind, die gar nicht so mächtig wirken. Das ist der Grund dafür: Sie sind nicht mächtig, sie sind unterwürfig. Sie sind unterwürfig den Richtigen gegenüber.
Menschen mit Fetisch erkennen sich gegenseitig ohne Worte. Sie sind wie Puzzlestücke, die perfekt zusammenpassen. Und auf der Seite des Puzzlestücks, auf der noch Platz ist, sitzt der jeweils gegenteilige Fetisch. Den sie damit beide kennen und so wissen sie beide, warum sie das tun und warum sie so gut zusammenpassen. Dadurch ergibt sich eine Kette und so ergibt sich Hierarchie. Hierarchie entsteht durch Macht als Fetisch. Und in der Öffentlichkeit siehst du mitunter das Ergebnis ihrer krankhaftesten Ausprägung. Der absolute Drang zur Macht produziert die absolute Bereitschaft zur Unterwerfung.
Ganz egal, was in den letzten Jahren ans Licht gekommen ist, diesen Teil hat niemand erkannt. Doch alles, was ans Licht kam, funktioniert genau deshalb und nur so, weil Macht ein Fetisch ist.