Ich bin mir sicher, dass du diesen Satz schon einmal gehört hast. Wenn du diesen Satz hörst, stellen sich viele Fragen. Diese Fragen sind entscheidend für das Verständnis dieses Satzes. Was will derjenige, der dir diesen Satz sagt, tatsächlich erreichen? Was meint er damit? Und was sagt er dir damit tatsächlich? Außerdem stellt sich die Frage: Wann und wie akzeptierst du jemanden? Die heutige Audio ist voll von Antworten und heftigen Erkenntnissen für dich. Nicht einfach, aber erhellend.
Wenn dir jemand den Satz sagt: "Du musst die Menschen so akzeptieren, wie sie sind", dann ist es sehr wahrscheinlich, dass du dich gerade aufgeregt hast. Zumindest hast du dich aber beschwert. In der modernen Spiritualität darf man sich ja nicht mehr beschweren. Der Grund dafür ist aber nicht, weil du dich damit beschwerst, also schwerer machst, sondern weil sich die anderen schwer fühlen und deshalb mit deiner Beschwerde nicht klarkommen. Und wenn sie mit deiner Beschwerde nicht klarkommen und Ruhe wollen, dann sagen sie diesen Satz: "Du musst die Menschen so akzeptieren, wie sie sind."
Dann stellt sich die Frage: Was meinen sie damit in der Praxis? Wie akzeptiert man jemanden so, wie er ist? Was meistens damit gemeint ist: "Du sollst den anderen so sein lassen, wie er ist." Entweder indem du gute Miene zum bösen Spiel machst, oder indem du so sehr im Frieden bist, dass er dich nicht mehr stört. Und das sagt jemand, der mit dir nicht in Frieden ist, weil du gerade eine Beschwerde über jemanden hast. Er kann also kein Experte im "im Frieden sein" sein. Denn mit dir und deiner Beschwerde ist er ja nicht im Frieden. Trotzdem ist das generell kein falscher Ratschlag. Doch es stellt sich die Frage: Wie sieht das in der Praxis aus? Wie akzeptierst du jemanden so, wie er ist?
Die eine Möglichkeit ist, wie bereits erwähnt, dass du so sehr im Frieden bist, dass dir sein Verhalten nichts mehr ausmacht. Vielleicht gibt es drei Menschen auf dieser Welt, meinetwegen auch ein paar tausend, die das erreicht haben. Für alle anderen bedeutet das: so tun, als ob. Sie wären gern dort, können es aber nicht leben. Also müssen sie es vortäuschen. Viele werden dadurch passiv aggressiv und somit auch toxisch spirituell. Was ist die andere Möglichkeit? Wie kann man jemanden so akzeptieren, wie er ist, ohne Friede, Freude, Eierkuchen zu spielen und ohne ständig von ihm getriggert zu sein? Die Lösung ist einfach und wird dich trotzdem überraschen.
Die Spirituellen, die dir diesen Satz als Ratschlag sagen: "Du musst die Menschen so akzeptieren, wie sie sind", haben diese Lösung ganz sicher nicht auf dem Schirm. Die am meisten unterschätzte Möglichkeit, einen Menschen so zu akzeptieren, wie er ist, ist, ihn zu verlassen. Diese Möglichkeit wird vor allem bei Familienmitgliedern komplett negiert. Als stünde es überhaupt nicht im Bereich des Möglichen. Das hat damit zu tun, dass viele der Meinung sind, man könne sich nur im Streit trennen. Du kannst dich aber auch im Frieden trennen. Sogar und vor allem einseitig, indem du den anderen so akzeptierst, wie er ist.
Wenn du ihn wirklich so akzeptierst, wie er ist, dann kannst du auch akzeptieren, dass ihr überhaupt nicht zusammenpasst. Dann kannst du realisieren, dass du alles Mögliche und Unmögliche versucht hast, um diese Beziehung aufrechtzuerhalten oder zu retten. Und dann kannst du erkennen, dass nichts davon funktioniert hat. Und gerade bei Familienmitgliedern kannst du erkennen und akzeptieren, dass ihr unter normalen Umständen nie befreundet wärt. Mit "normalen Umständen" meine ich, wenn ihr nicht verwandt wärt. Wenn du ihn so akzeptieren kannst, wie er ist, dann kannst du auch akzeptieren, dass ihr überhaupt nicht zusammenpasst. Du kannst akzeptieren, dass ihr nicht die gleichen Werte habt, dass ihr vollkommen verschiedene Vorstellungen vom Leben habt und dass es kein einziges Thema gibt, bei dem ihr euch einig seid.
Das zu erkennen ist schmerzhaft, aber auch befreiend. Es ist auch keine Fünf-Minuten-Lösung. Das kann Jahre dauern. Die Erkenntnis ist das Wichtigste. Sie befreit nicht nur dich, sondern auch den anderen. Denn ab diesem Zeitpunkt musst du dich nicht mehr verstellen, weil du den anderen so akzeptierst, wie er ist.