Spiritualität ist kein Glaubenssystem. Im Gegenteil. Es ist die Aufgabe von allem, woran du geglaubt hast. Es ist die Entbildung der Einbildung, jemand zu sein, der getrennt ist von Gott. Das ist das Einzige, worum es geht. Das bedeutet nicht, dass du sofort dort sein musst. Das bedeutet auch nicht, dass ich dort bin. Aber es bedeutet, dass alles andere keine Spiritualität ist.
Jeder, der dir ein Zertifikat verkaufen will, ist ein Feind der Spiritualität und damit dein Gegner. Ich sage das nicht, um dich aufzuhetzen. Ich sage dir das nur, damit du dich erinnerst. Und tatsächlich sage ich das natürlich mir, damit ich mich erinnere. Denn außer mir ist ja gerade niemand hier. Du hast vielleicht einen anderen Eindruck, weil du an die anderen Hörer denkst und weil du ein zweites Bewusstsein bist, aber auch bei dir ist gerade niemand anders hier.
Du bist gerade genauso alleine, wie ich es war, als ich das aufgenommen habe. Es gibt niemanden, der mir diese Sätze vorlegt oder einflüstert. Und es gibt noch nicht einmal jemanden, der mir bei der Vorbereitung hilft. Ich bin wirklich alleine mit mir. Ich fühle mich aber nie so. Ich bin schon lange nicht mehr einsam, obwohl ich alleine bin. Und das ist das Ergebnis von der Spiritualität, über die ich im heutigen Zitat spreche.
Diese Spiritualität hat nichts mit Wunschdenken und auch nichts mit Hoffnung zu tun. Du kannst mit dieser Form der Spiritualität nichts lernen, aber du kannst etwas üben. Du kannst üben, jede Hoffnung, jeden Glauben und jeden Wunsch aufzugeben.
Was für den Verstand depressiv klingt, ist die höchste Form menschlichen Bewusstseins. Denn dadurch wirst du nicht mehr gestört durch überflüssige Gedanken. Überflüssige Gedanken entstehen, wenn du dir etwas einbildest, wenn du an etwas glaubst oder wenn du von etwas überzeugt bist. Und natürlich auch dann, wenn du dir etwas ganz dringend wünschst. All diese Gedanken vernebeln deinen Geist. Sie sorgen dafür, dass du deine Realität nicht mehr erkennen kannst und sie in dir verzerrt dargestellt wird.
Deshalb nenne ich das, was ich mache, schon immer "Entbildung" oder "Intensiventbildung". Es ist die hohe Kunst, sich auf nichts mehr etwas einzubilden. Weder auf das, was man gelernt hat, noch auf das, was man erreicht hat. Wenn du im Moment lebst, gibt es keine Einbildung. In diesem Moment kannst du nicht auf einem hohen Ross sitzen, denn jedes hohe Ross setzt voraus, dass du darüber nachdenkst, was der Unterschied von dir zu anderen ist.
Du musst dir etwas auf dich einbilden. Du musst an ganz bestimmte Dinge glauben und du musst ganz bestimmte Dinge über dich selbst glauben. Und dann musst du deine erlebte Realität ständig mit dem abgleichen, woran du glaubst. Du musst also ständig daran denken, ob du jetzt gerade so bist, wie du gerne wärst. Und du musst immer überlegen, ob du jetzt so rüberkommst, wie du gerne rüberkommen würdest. Du musst ständig versuchen, dein Selbstbild nach außen zu projizieren.
Und all das hat mit Spiritualität nichts zu tun. Es ist sogar das Gegenteil: Es ist die Verschleierung von Spiritualität.