Es geht im Leben nicht darum, andere zu beherrschen, sondern dich selbst. Dich selbst zu beherrschen bedeutet, deine Gedanken, Gelüste und Triebe zu beherrschen. Wenn du das meisterst, bist du Herr im eigenen Haus. Das bedeutet nicht, dass du abstinent leben musst. Doch du musst in der Lage sein, dich selbst herauszufordern und dich zu beherrschen. Du kannst das in vielen verschiedenen Bereichen üben. Du kannst fasten, du kannst enthaltsam sein oder du kannst sparsam leben. Dadurch wirst du herausfinden, dass die klassische Unterscheidung in Bedürfnisse, Triebe und Gelüste überhaupt nicht stimmt. Es sind theoretische Gedankenkonstrukte, die nur so lange Bestand haben, bis du sie in deiner Praxis herausforderst.
Beim Fasten merkst du zum Beispiel sehr schnell, dass das, was du vorher als Hunger bezeichnet hast, tatsächlich nur ein Gelüst war. Und je länger du fastest, desto weniger wirst du dir sicher sein, ob du wirklich Hunger hast. Du kannst auch deine Gedanken beobachten, wie sie rasen und wie sie dir glaubhaft vermitteln, dass Hunger das schlimmste Gefühl der Welt ist. Und während du die ganze Zeit Gelüste hast und dich schon auf die erste Mahlzeit, dein Fastenbrechen, freust, wirst du enttäuscht sein, wenn du wieder etwas isst. Du wirst merken, wie wenig es dich tatsächlich befriedigt.
Es geht bei diesen Experimenten nicht darum, fanatisch zu sein. Es geht um die Erfahrung, die unfassbar wertvoll ist. Du bekommst eine neue Perspektive auf das, was du für absolut notwendig und selbstverständlich gehalten hast. Und das Gleiche kannst du mit deinen Gedanken machen. Auch während diesen Experimenten. Du kannst "Gedanken fasten". "Gedanken fasten" ist das Ergebnis von "Gefühle fühlen". Je besser du deine Gefühle fühlen kannst, desto besser kannst du deine Gedanken kontrollieren.
Wenn du deine Gedanken nicht genauso kontrollieren kannst wie deine Nahrung, dann hast du gar nichts unter Kontrolle. Dann bist du nicht Herr in deinem eigenen Haus. Du wirst von etwas diktiert, das dir dein Leben ohne Notwendigkeit schwer macht. Du bist genau wie beim Essen etwas ausgeliefert, das in diesem Umfang überhaupt nicht notwendig ist. Doch all das wirst du erst herausfinden, wenn du es tatsächlich machst. Die große Mehrheit der Menschen denkt endlos darüber nach. Und nicht nur das. Sie denken darüber nach und diskutieren darüber, bevor sie es getan haben. Sie haben eine Meinung dazu, die erfahrungsbefreit ist. Das ist vollkommener Irrsinn. Und das kann nur Menschen passieren, die sich selbst nicht beherrschen können.
Wenn du Herr in deinem eigenen Haus bist, ist dir deine Meinung und die Meinung der anderen ziemlich egal, weil deine Erfahrung deine Meinung, also deine Gedanken, überschreibt. Meinungen werden durch Erfahrung gelöscht. Erfahrungen sind irreversibel. Sie sind nicht löschbar, denn sie sind der Grund, warum du hier bist. Nur durch eigene Erfahrung erlangst du Meisterschaft über Gedanken, Gelüste und Triebe.