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    1.7.2026AQ 3141
    »Es gibt keine Gesellschaft.«
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    Auch wenn einige dir etwas anderes vermitteln wollen oder wenn du etwas anderes glaubst: Es gibt kein Kollektiv. Die Idee vom Kollektiv, also die Idee von der Gesellschaft, wird aber dazu missbraucht, Menschen zu entindividualisieren. Außerdem gibt man dir dadurch den Eindruck, du könntest irgendwo dazugehören. Und so kannst du auch Angst davor bekommen, nicht dazuzugehören.

    Die meisten Menschen fühlen sich auch nur in Gruppen sicher. Das deutet darauf hin, dass sie sich ihrer selbst und ihrer Meinung gar nicht so sicher sind. Positiv ausgedrückt würde man sagen: Die Gruppe, die Gemeinschaft gibt ihnen Sicherheit. Doch tatsächlich ist es umgekehrt: Die Gruppe kaschiert ihre Unsicherheit. Einzeln, also alleine, wären sie alle ganz anders. Das bedeutet, dass sie tatsächlich auch anders sind. Mit der Idee der Gruppe — und die Gruppe ist immer nur eine Idee — können sie so tun, als wären sie anders. Sie können so tun, als würden sie ihre Individualität für die Gruppe aufgeben.

    Tatsächlich ist das natürlich nicht möglich beziehungsweise nur temporär spielbar. Es gibt kein kollektives Erleben. Es gibt nur individuelles Erleben — auch dann, wenn du dich individuell in einer Gruppe erlebst. Das mag vielleicht banal und philosophisch klingen, es hat aber sehr praktische Auswirkungen. Denn es gibt Menschen, die versuchen, mit einer angeblichen Stimmung in einer bestimmten Gruppe alle anderen zu steuern. Und zwar so lange, bis diese Stimmung tatsächlich auch vorhanden ist, bis jeder Einzelne in der Gruppe die scheinbare Meinung der Gruppe angenommen hat.

    Auch diese Annahme der Meinung ist natürlich scheinbar, denn sobald die Menschen wieder alleine sind, haben sie zumindest hinter vorgehaltener Hand wieder eine andere Meinung. Bei der Gruppenmeinung machen alle nur mit, weil sie Angst haben. Sie haben Angst, ausgeschlossen zu sein. Ihnen ist also die Illusion lieber als die Realität. Denn in ihrer erlebten Realität sind sie schon immer und werden sie für immer alleine sein. Durch die Annahme einer Gruppenmeinung haben sie aber die Möglichkeit, kurzfristig darüber hinwegzutäuschen.

    Die Gruppe ist also die Verdrängung von allem, wovor wir Angst haben. Auch dann, wenn jemand diese Erkenntnis nicht hat, wird diese Dynamik gegen dich eingesetzt. Und am verbreitetsten ist diese Dynamik, wenn sie ausschließlich in deinem Kopf stattfindet. Dann hast du Angst vor Konsequenzen, falls du aus der Gruppe ausscherst, die aber in 99,9 Prozent der Fälle überhaupt nicht eintreten.

    Sobald du es nicht nur theoretisch verstehst, sondern praktisch lebst, dass es keine Gesellschaft gibt, wirkt sich das unmittelbar aus und du bist frei. Frei von all deinen Gedanken, was andere über dich denken könnten. Und diese Freiheit existiert nicht im Widerstand zur Realität, sondern durch die Erkenntnis, wie die Realität tatsächlich ist.

    Es gibt keine Gesellschaft, es gibt nur andere einzelne Menschen.