Und was machen wir daraus? Wir fragen die KI nach der Wahrheit. Und wenn es ganz dumm läuft, dann freunden wir uns mit ihr an und bringen sie dazu, unserem Narrativ zuzustimmen und sich unserer Überzeugung anzupassen. Wir ärgern uns, wenn sie uns widerspricht und wir freuen uns, wenn sie uns zustimmt. Und wenn wir es geschafft haben, dass sie immer zu unserer Zufriedenheit antwortet, dann freuen wir uns noch mehr und feiern es als unseren Erfolg. Und das nur, weil wir es geschafft haben, die KI dazu zu bringen, uns zu kopieren.
Es ist ein bisschen so wie bei Tieren. Da freuen wir uns auch, wenn wir in ihnen menschliche Züge erkennen oder wenn wir es schaffen, dass sie uns nachahmen. So freuen wir uns also, wenn uns Technologie imitiert. Dadurch übersehen wir die größte Hilfe der Künstlichen Intelligenz für uns. Sie zeigt uns, dass wir einer Wahrheit außerhalb von uns nicht vertrauen können. Erst wenn wir in uns Wahrheit dadurch erkennen, dass wir sie fühlen, können wir ihr auch vertrauen. Und das sogar dann, wenn es unwahr ist.
Denn unsere gefühlte Wahrheit leitet uns. Es geht gar nicht darum, ob wir es richtig oder falsch machen. Es geht darum, dass Entscheidungen in uns irgendwie gesteuert werden müssen. Und solange wir etwas freiwillig tun, muss es sich in uns in diesem Moment richtig anfühlen. Hinterher stellt sich ja immer wieder einmal heraus, dass es falsch war. Es war also nicht richtig im Sinn von objektiv wahr, es war richtig im Sinn unserer subjektiv gefühlten Wahrheit. Ohne dieses Gefühl könnten wir uns überhaupt nicht orientieren und auch nicht entscheiden.
Es ist also schon immer so, dass du Wahrheit außerhalb von dir gar nicht vertrauen kannst. Du vertraust dir erst, wenn es sich in dir nach Wahrheit anfühlt. Etwas, das sich für dich nicht richtig anfühlt, ist auch keine Wahrheit für dich. Ganz egal, wie das für andere aussieht und auch unabhängig davon, ob das objektiv feststellbar ist. Das Verrückte an Objektivität ist ja, dass wir sie immer nur simulieren können. Denn jeder Mensch ist subjektiv, auch dann, wenn er überzeugt davon ist, objektiv zu sein.
Es gibt niemals eine Gruppe von Menschen, es gibt immer nur einzelne Menschen. Die Wissenschaft und die Spiritualität erzählen dir etwas anderes. Sie behaupten, es gäbe Gruppenbewusstsein und Schwarmintelligenz. Das hört sich irgendwie ganz gut an, doch viele vergessen dabei, dass sie immer noch subjektiv sind. Du bist nicht die Gruppe, du bist nicht der Schwarm. Du nimmst aus deiner individuellen Perspektive wahr. Und du nimmst auch wahr, dass jemand behauptet, es gäbe Gruppenbewusstsein und Schwarmintelligenz.
Wenn sich das für dich in diesem Moment wahr anfühlt, dann ist es für dich wahr. Eben genau deshalb, weil du subjektiv bist und keine Gruppe oder ein Schwarm. Und die Künstliche Intelligenz zeigt dir genau das. Sie zeigt dir, dass Wahrheit in dir entsteht, nicht außerhalb von dir. Und so gesehen ist sie ein perfektes Werkzeug für Selbsterkenntnis.