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    23.6.2026AQ 3133
    »Gibt es irgendeine Verschwörung, an die du nicht glaubst? Gibt es irgendeine Propaganda, von der du nicht betroffen bist?«
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    Beide Fragen sind bei genauer Betrachtung nicht zu beantworten. Die erste Frage ist nicht beantwortbar, weil Verschwörungen in der Regel geheim sind. Daher können niemals alle Verschwörungen bekannt sein. Und obwohl Propaganda öffentlicher ist, verhält es sich mit ihr genauso. Was den Verschwörungstheorie-Gegnern nicht klar ist: Sie sind alle auf Propaganda hereingefallen. Und zwar so sehr, dass sie sie verteidigen.

    Manchmal erscheint Propaganda als Gegenentwurf beziehungsweise Gegenargument zu Verschwörungen und Verschwörungstheorien. Doch tatsächlich basiert Propaganda häufig ebenfalls auf einer Verschwörung. Du wirst niemals wissen, wie viele Verschwörungen und wie viel Propaganda es gibt. Denn oft bauen sie untereinander und sogar gegenseitig aufeinander auf. Um Propaganda zu verbreiten, braucht es zum Beispiel als Erstes eine Verschwörung. Ohne die Verschwörung der Inszenierung von 9/11 gibt es keine anschließende Propaganda der angeblichen Bekämpfung des internationalen Terrorismus. Ohne die Verschwörung der Inszenierung der Mondlandung gibt es keine anschließende Propaganda der Feier der Mondlandung.

    Dabei muss man verstehen, dass die Menschen, die Teil einer Verschwörung sind, nicht immer freiwillig dort landen. Es ist zum Beispiel möglich, dass die Astronauten wirklich daran geglaubt haben, dass sie jetzt dann zum Mond fliegen. Und kurz bevor es so weit war, hat man ihnen eröffnet, dass das nicht stattfinden wird und sie eine Lüge erzählen müssen. Bei der Propaganda ist es noch wahrscheinlicher, dass die meisten, die sie verbreiten, keine Ahnung davon haben, dass sie sie verbreiten, weil sie selbst daran glauben. Das Netz aus Verschwörungen und Propaganda ist viel zu eng und viel zu groß, als dass es komplett entlarvt werden kann. Denn im Kleinen hängst auch du mit drin. Mit jeder kleinen Absprache, mit jeder kleinen Lüge, auch wenn es eine Selbstlüge ist, hängst du mit drin.

    Es ist also besser, nach den eigenen Verschwörungen und nach der eigenen Propaganda zu suchen, als das zu untersuchen, was die anderen machen. Und sobald du ehrlich auf deine eigenen Verschwörungen und auf deine eigene Propaganda schauen kannst, siehst du auch bei den anderen viel klarer. Richtig klar siehst du aber erst dann, wenn du sie nicht mehr dafür verurteilst. Und das funktioniert nur, wenn du dich selbst nicht mehr dafür verurteilst. Solange du deine eigenen Lügen vor dir selbst verteidigst, verurteilst du dich auch dafür. Erst wenn diese Verurteilung wegfällt, kannst du wirklich klar sehen und deine klare Sicht auf dich selbst eröffnet dir auch die klare Sicht auf alle anderen.

    Falls du aufgrund von Verschwörungen Groll, Wut und Hass hast, bringt es nichts, diese Gefühle wegzumeditieren. Was dich aber befreien wird, ist Ehrlichkeit dir selbst gegenüber. Das ist die Ehrlichkeit, vor der dich dein Ego schützt. Deshalb erklärst du dich. Deshalb verteidigst du dich. Deshalb willst du anderen Vorwürfe machen, statt bei dir selbst anzufangen, genau hinzuschauen. Und deshalb willst du Taten vergleichen, um zu beurteilen, welche schlimmer sind.

    Solange du das versuchst, bist du auf dem falschen Trip. Du bist nach außen orientiert und erhoffst dir ein mildes Urteil über dich selbst durch den Vergleich mit anderen. Du erhoffst dir eine Art Begnadigung dadurch, dass andere schlimmer sind. Verrückterweise brauchst du diese Begnadigung nicht mehr, sobald du ehrlich bist. Denn dann musst du nichts mehr verstecken. Nicht einmal vor dir selbst.