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    22.6.2026AQ 3132
    »Die Jagd nach spirituellen Inhalten sorgt für ihre Vereinheitlichung.«
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    In der Spiritualität gibt es zwei Möglichkeiten, Inhalte zu generieren. Die häufigste Art ist die Recherche danach. Spirituelle Inhalte werden konsumiert, aus eigener Sicht für gut befunden und dann so ähnlich wiederholt. Dabei werden meistens auch noch die Quellen weggelassen. Die Protagonisten halten es sogar für ihren Inhalt. Und das nur deshalb, weil sie ihn leicht angepasst haben.

    Die zweite Möglichkeit, wie spirituelle Inhalte entstehen, ist weitaus seltener. Sie entstehen dadurch, dass Menschen aus der Quelle schöpfen. Dummerweise kann es in beiden Fällen sein, dass sich die Inhalte wiederholen. Im ersten Fall, weil sie abgeschrieben sind. Im zweiten Fall, weil die Quelle nur eine Wahrheit kennt. Und dein Job ist es, das eine vom anderen zu unterscheiden.

    Wenn jemand nach Inhalten jagt, dann ist er nicht interessiert an der Quelle. Er interessiert sich vielmehr dafür, regelmäßig abzuliefern, um das Interesse an ihm selbst aufrechtzuerhalten. Wenn du aus der Quelle schöpfst, kann es trotzdem sein, dass du regelmäßig etwas veröffentlichen kannst. Aber du kannst dir nicht sicher sein. Außerdem kannst du nichts veröffentlichen, was du gelesen und für gut befunden hast, solange du es nicht selbst überprüft hast. Und diese Überprüfung dauert mitunter Jahre.

    Du kannst also nicht "Inhalte getrieben" sein, wenn du ein echtes Interesse an der Wahrheit hast. Spirituelle, die "Inhalte getrieben" sind, tun alles für die Inhalte. Sie verbiegen und verkrampfen sich notfalls dafür. Es kann ihnen nicht um die Tiefe gehen, selbst wenn sie das Gegenteil behaupten. Wenn du ein Zitat oder ein Buch liest, das dir gut reinläuft, das dich sehr berührt, bedeutet das noch lange nicht, dass du es lebst.

    Doch die von Inhalten Getriebenen veröffentlichen alles, was sich für sie gut anfühlt. Deshalb springen sie auch so stark in den Themen und springen auf jedes neue Thema auf, das als Sau durchs Dorf getrieben wird. So schnell, wie sie die Themen wechseln, können sie sie gar nicht leben.

    In der Tiefe brauchst du für jedes Thema fünf bis zehn Jahre. Wenn du Spiritualität ernst nimmst, weißt du außerdem, dass es gar nicht um die Themen geht. Es geht um das, was dahinter stattfindet: wie du bist, wie du reagierst, wie du dich fühlst und wie du dich veränderst.

    Spirituelle, die so tun, als hätten sie in jedes spirituelle und esoterische Thema tiefste Einblicke sind entweder erleuchtet oder Inhaltsjäger. Nach zehn Jahren Gesundheitsreise fühle ich mich in der Lage, dir etwas davon zu erzählen. Hätte ich das früher versucht, wäre es viel zu früh gewesen. Es braucht Zeit, Dinge, die man mit dem Verstand erfasst hat, tatsächlich zu realisieren. Man braucht eine Erfahrung dazu.

    Ohne Erfahrung ist es viel zu oft eine Meinung oder schlimmer noch eine Überzeugung. Von deinen Überzeugungen zu berichten, hat kaum einen Wert. Denn jeder Überzeugung fehlt die Erfahrung. Und Inhalte, denen die Erfahrung fehlt, fehlt die Substanz. Und es besteht immer die Gefahr, dass sie fehlleiten. Und das bedeutet auch, dass dich die Jagd nach spirituellen Inhalten fehlleitet.