Würde ich über die anderen sprechen, statt es auf mich und auf dich zu beziehen, wäre ich viel gefragter Mainstream-Interviewpartner. Die Menschen geilen sich nämlich daran auf, die anderen zu analysieren. Das tut ihnen gut, weil sie selbst damit außen vor sind. Das ist auch der Grund dafür, dass Menschen meine Zitate auf mich beziehen wollen statt auf sich selbst. Sie vergessen dabei, dass meine Zitate nur dadurch entstehen, dass ich sie auf mich beziehe. Würde ich sie nicht auf mich beziehen, würden sie überhaupt nicht entstehen. Einige sind auch der Meinung, ich würde abschreiben. Und das meinen sie nur deshalb, weil sie nicht verstehen, dass diejenigen, die alles auf sich selbst beziehen, zu den gleichen Erkenntnissen kommen.
Wenn ich bei mir schaue, kann ich aus der Quelle schöpfen, aus der alle Inspiration kommt. Nicht nur meine, auch die von allen anderen. Würde ich meine Inspiration auf die anderen beziehen und den Menschen erklären, warum andere Menschen und die Welt so böse sind, wäre ich auch in der Mainstream-Spiritualität gefragter Interviewpartner. Die meisten Menschen wollen einen spirituellen Lehrer, der entweder säuselt oder von den anderen spricht. Die wenigsten kommen damit klar, wenn es um sie selbst geht.
Doch Spiritualität, die du nicht persönlich nimmst, ist keine. Sie ist lediglich ein weiteres Gedankenkonstrukt. Mit dieser Art der Spiritualität kannst du die ganze Zeit so tun, als seist du unfassbar spirituell. Du bist es zwar nicht, aber du erscheinst so und das imponiert. Wenn du dann noch mit berührenden positiven Affirmationen daherkommst, bist du kaum mehr aufzuhalten. Doch wehe, es wird mal konkret. Entweder für dich oder weil du gefragt wirst: Dann ist guter Rat teuer. Denn guter Rat kann nur aus der eigenen Praxis kommen. Und wenn es diese eigene Praxis kaum gibt, dann hast du auch keinen guten Rat. Dann wiederholst du das, was du schon oft geschrieben und gesagt hast und du sagst das, wogegen niemand etwas haben kann. Es hat dann weder mit deinem Leben noch mit dem Leben der anderen etwas zu tun, aber es klingt gut. Und es ist anerkannt. Und Anerkennung ist für uns alle das Wichtigste.
Selbst für jene, die behaupten, Anerkennung würde ihnen überhaupt nichts bedeuten. Sie sind im Widerstand mit Anerkennung. Sie wollen nicht anerkennen, dass sie ihnen in Wahrheit gut tut. Und um dieses gute Gefühl zu bekommen, ist es einfacher, das zu sagen, was alle sagen, statt das, was tatsächlich dir entspricht. Es ist einfacher, die spirituellen Sprechpuppen zu wiederholen, als aus deiner eigenen, tatsächlich erlebten Realität zu berichten. Und es ist auch einfacher, alle anderen, die noch negativ sind, in die Schublade "Die sind noch nicht so weit" zu stecken. Solange es um die anderen geht, bleibt es leicht. Sobald es um dich selbst geht, geht es ans Eingemachte. Da bleibt kein Stein auf dem anderen und kein Auge trocken.
Echte Spiritualität ist nichts für Feiglinge und Angsthasen.