Das gefällt nur dem Ego nicht, denn das Ego möchte diskutieren. Wenn du etwas von mir liest und es regt dich auf, dann bin ich nicht der Richtige für dich. Und wenn du etwas liest und es berührt dich, dann bin ich der Richtige für dich. Ich weiß, dass das hart und für die meisten gar nicht zu schlucken ist, aber ein spiritueller Lehrer ist nicht dafür da, dass du mit ihm diskutieren kannst. Er ist auch nicht dafür da, um sich von dir belehren zu lassen. Auch dann nicht, wenn du das so gerne tun würdest.
Das Ego interpretiert das als Unbelehrbarkeit oder als Überheblichkeit. Tatsächlich liegt es an etwas vollkommen anderem. Es liegt daran, dass Spiritualität in diesem Modus des Ego nicht funktioniert. Du kannst an jedem spirituellen Lehrer etwas aussetzen, auch an mir. Du brauchst es mir aber nicht schreiben, weil wir uns sonst auf der Ebene unseres Ego begegnen. Du bist programmiert, etwas an mir auszusetzen. Ich bin programmiert, dass ich falsch bin und damit treffen wir uns nicht spirituell, sondern in unserem Ego. Manchmal gibt es Menschen, die haben Angst, dass es mir an Herausforderungen oder Widerständen im Leben mangelt. Deshalb wollen sie dafür sorgen. Und da kann ich dich beruhigen: Dem ist nicht so!
Wenn ein spiritueller Lehrer etwas schreibt, dann geht es wirklich nur darum, was es in dir auslöst und was du daraus machst. Wenn es dich aufregt und du deshalb diskutieren willst, dann nutzt du es für dein Ego. Wenn du echte Rückfragen stellst, nutzt du es für deine Spiritualität. Wenn du das, was der Lehrer sagt oder schreibt, ergänzen willst, nutzt du es ebenfalls für dein Ego. Und wenn du es widerspruchsfrei so stehen lässt und annehmen kannst, wie es ist, nutzt du es für deine Spiritualität. All das vollkommen unabhängig davon, ob das stimmt, was der spirituelle Lehrer schreibt oder nicht.
Das ist der entscheidende Schlüssel zur Spiritualität, den die meisten Menschen komplett verpassen: Es geht nie darum, ob der Lehrer recht hat oder nicht. Es geht darum, ob du Wahrheit fühlst bei ihm und ob du diese Wahrheit widerspruchsfrei annehmen kannst. Die allermeisten Menschen können das nicht. Sie sind grundsätzlich im Widerstand und dadurch in ihrem Ego gefangen. Verrückterweise ist diese Form der Hingabe keine Hingabe an den spirituellen Lehrer, sondern eine Hingabe an dich selbst.
Denn auch das wird in der Spiritualität falsch verstanden: Es geht nicht um den Lehrer. Es geht immer nur um dich. Deshalb ist es auch falsch, in den Lehrer etwas hinein zu interpretieren, was dort nicht ist oder was er nie gesagt hat. Es ist auch falsch, Wünsche zu entwickeln, die mit dem Lehrer zu tun haben. Wenn die Schüler das verstehen und leben würden, hätte es keinen einzigen Skandal mit spirituellen Lehrern geben können. Denn du bist dann dem Lehrer nicht als Mensch zugewandt, sondern ausschließlich als Kanal, der es dir ermöglicht, dich dir selbst hinzugeben.
Doch dummerweise vermischen wir all das mit unseren menschlichen Eigenschaften. Wir vermischen es mit unserer Programmierung, unserem Ego und unseren Sehnsüchten und Wünschen. Dadurch machen wir aus der Spiritualität etwas, das sie nicht ist. Spiritualität bezieht sich nie auf den anderen, sondern immer nur auf dich selbst. Jede Abweichung davon ist falsch. Auch dann, wenn dir dein spirituelles Ego jetzt sagt, dass das dazugehört.