Herrschaft gab es lange vor der Künstlichen Intelligenz und es gab auch lange vor der Künstlichen Intelligenz schlechte Herrscher. Herrschaft war lange vor der KI schlecht. Und in Teilen war sie nicht nur schlecht, sondern sehr schlecht und unterirdisch schlecht. Denn wie schlecht kann Herrschaft werden, wenn ein Herrscher sein eigenes Volk umbringen lässt? Oder wie würdest du einen Herrscher nennen, der sein eigenes Volk umbringen lässt? Schlechter als das kann es auch gar nicht werden. Auch mit Künstlicher Intelligenz nicht. Doch da sie etwas Neues ist, eignet sie sich ganz besonders gut für Angstszenarien. Und nur um die geht es bei Herrschaft.
Je mehr Angst die Menschen haben, desto einfacher kann geherrscht werden. Am besten ist dabei die subtile Angst, weil sie nicht genau zugeordnet werden kann. Es gibt dann keine konkrete Bedrohung, gegen die man vorgehen könnte und trotzdem gibt es den Effekt der Angst. Wenn man eine diffuse oder sogar unbegründete Angst fühlt, fühlt man sich im Lauf der Zeit auch machtlos und ohnmächtig. Dadurch fängt man gar nicht erst an, aufzubegehren. Die Rebellion wird im Keim erstickt. Ob diese psychologischen Mechanismen von Künstlicher Intelligenz oder von Menschen ausgelöst werden, ist nicht wirklich relevant. Wichtig ist, dass sie ausgelöst werden und dass wir sie erkennen.
Angstszenarien gibt es übrigens bei jeder neuen Technologie und wir sind auch bei der neuesten Technologie immer wieder der Meinung, dass es jetzt aber etwas anderes sei. Das liegt nur daran, dass wir uns an die andere Technologie gewöhnt haben. Als zum Beispiel der amtierende Schachweltmeister das erste Mal gegen einen Computer verloren hat, hatten viele Angst, dass menschliche Schachspieler jetzt überflüssig werden. Das ist bis heute nicht eingetreten.
Wir haben also viele Ängste, die vollkommen unbegründet sind. Zumindest sind sie unbegründet hinsichtlich der äußeren Faktoren. Hinsichtlich unserer inneren Faktoren sind sie natürlich immer begründet. Und es gibt nur einen Grund, warum wir Angst haben: Wir sind mit ihr aufgewachsen und haben uns an sie gewöhnt. Und weil wir uns so sehr an sie gewöhnt haben, sind wir abhängig von ihr. Wir sind süchtig danach und wir suchen in der Angst das Gefühl unserer Kindheit. Das kennen wir und das ist uns deshalb vertraut.
Ohne dieses Gefühl geht es uns, wie wenn wir gerade noch Schluckauf hatten und er jetzt gerade aufgehört hat. Wir warten ständig darauf, dass er jetzt wiederkommt. Und obwohl wir ihn die ganze Zeit loswerden wollten, weil es mit der Zeit wirklich unangenehm wurde, sind wir enttäuscht, dass er jetzt nicht mehr da ist. Wir vermissen ihn, weil wir uns irgendwie auch schon an ihn gewöhnt haben. Wir brauchen eine gewisse Zeit der Entwöhnung davon.
Und genauso geht es uns mit der Angst: Wenn wir uns nicht von ihr entwöhnen, nehmen wir jedes weitere Angstszenario dankbar an.