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    8.6.2026AQ 3118
    »In der Spiritualität herrscht das Bundestrainer-Prinzip.«
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    Spätestens jetzt, während der Weltmeisterschaft, gibt es wieder 80 Millionen Bundestrainer. Einer weiß es besser als der andere und jeder weiß es besser als der Bundestrainer. Genau so ist es auch in der Spiritualität. In der Spiritualität gibt es 80 Millionen Meister und Gurus. Jeder weiß, dass jeder sein eigener Guru ist und das, während sie sich alle gegenseitig Ratschläge geben und während sie versuchen, die Meister und Gurus von ihrem Thron zu stoßen. Ein Thron, der eingebildet ist, weil diese gar nicht behaupten, darauf zu sitzen. Alle argumentieren und kämpfen, als wären sie der spirituelle Lehrer. Als hätte sie jemand gefragt. Das ist in den meisten Fällen überhaupt nicht der Fall. Doch genau das fällt ihnen nicht auf. Sie fühlen sich von öffentlichen Aussagen angesprochen und sind davon getriggert. Deshalb fühlen sie sich verpflichtet, darauf zu reagieren.

    Ich habe dazu ein schönes Beispiel aus dem Fußball für dich. Und ich weiß nicht mehr, wer gefragt wurde, aber es ging darum, warum die USA nach wie vor so viel Nachholbedarf im Fußball haben. Das Geld ist ja offensichtlich da, an dem mangelt es nicht. Sie könnten also längst eine führende Fußballnation sein. Sind sie aber nicht. Und sie sind bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land kein Favorit. Die Antwort auf diese Frage war so erstaunlich wie einfach: In den USA ist jeder Jugendtrainer der Meinung, mindestens genauso viel zu wissen wie der Bundestrainer. Und falls einer dieser Jugendtrainer Tipps bekommt, was er verbessern könnte, lehnt er diese grundlegend ab. Und über Hilfe aus Europa machen sie sich lustig. Und das, obwohl es im Sport ja sogar noch objektive Vergleichsmöglichkeiten gibt.

    In der Spiritualität ist das unmöglich, weil du innere Zustände nicht messen und beweisen kannst. Und trotzdem sind Millionen Menschen der Meinung, sie wüssten es besser. Alle 80 Millionen Bundestrainer würden sich übrigens ins Höschen machen, wenn sie in dieser Position wären. Sie wären dem Druck überhaupt nicht gewachsen. Und sie haben keinerlei Vorstellung davon, was es bedeutet, in der Öffentlichkeit zu stehen. Genau wie die 80 Millionen Meister und Gurus. Sie hätten alle längst eingepackt, wenn sie mit dem konfrontiert wären, womit die Lehrer und Meister konfrontiert sind. Sie wären auf einen Gedanken nach dem anderen hereingefallen und hätten längst das Handtuch geschmissen. Und sie wären mit exakt dem gleichen spirituellen Hirnfick konfrontiert, mit dem sie aktuell konfrontiert sind. Nichts wäre so einfach, wie sie es sich vorstellen und sie würden mit ihrer Position und den unzähligen Angriffen überhaupt nicht klarkommen.

    Das Verrückte dabei ist Folgendes: Könnten die Fussballtrainer in den USA demütig sein und sich hingeben, wären viele von ihnen bald dort, wo die europäischen Trainer sind. Dass sie es nicht können, hat genau wie in der Spiritualität mit ihrem Ego zu tun, das es nicht zulässt, dass ein anderer besser oder weiter ist. Ich kann dir aus eigener Erfahrung sehr empfehlen, die 80 Millionen Bundestrainer beziehungsweise die 80 Millionen Meister und Gurus in die Wüste zu schicken und zum echten Bundestrainer und zum echten Meister zu gehen.