Der Drang zu wirken sorgt dafür, dass du dich anpasst und verstellst. Denn wenn du dringend wirken willst, dann ist es dir wichtiger zu wirken, als so zu sein, wie du bist. Dann willst du endlich wirken, statt auch nur eine Sekunde länger zu warten, bis du wirkst. Die Idee, dass du Wirkung machen kannst, ist von vornherein absurd. Und wenn du es versuchst, dann sorgt das dafür, dass du ausprobierst, was am besten wirkt.
Das bedeutet zwangsläufig, dass du andere kopierst oder zumindest bei ihnen abschaust. Wenn dein ganzer Fokus darauf liegt, endlich wirken zu können, dann ist es dir plötzlich nicht mehr so wichtig, wie du wirkst und ob du authentisch wirkst. Alles, was für dich dann zählt, ist, dass dich möglichst viele Menschen kennen und möglichst viele Menschen von deiner Wirkung begeistert sind. Das bedeutet zwangsläufig: Du tust alles für Reichweite und du tust alles für Wirkung. Ob das authentisch ist, ob das wirklich du bist, ist dir dann egal oder zumindest nicht so wichtig.
Solange du deine Wirkung beeinflussen willst, ist es manipulativ und zwar sowohl gegenüber den anderen als auch vor allem dir selbst gegenüber. Und dabei handelt es sich um die Art der Manipulation, die die wenigsten mitbekommen. Es ist die Selbstlüge, die man schon kennt, aber nicht wahrhaben will. Dafür, dass man sich selbst und damit natürlich auch alle anderen belügt, hat jeder gute Gründe. Und diese Gründe erzählen sie sich selbst und glauben daran. Sie sagen sich: "Ich lüge für den Kompromiss." Oder auch: "Ich lüge für das Gute. Ich lüge, damit es mir besser geht." Oder: "Ich lüge, damit es allen besser geht."
Anschließend geht es tatsächlich niemandem besser, nur das Lügengebäude hat ein neues Stockwerk bekommen. Dabei geht es überhaupt nicht um die moralische Verurteilung der Lüge. Es geht darum, was das mit uns macht und wohin es uns selbst bringt. Es bringt uns nämlich nicht dorthin, wo wir denken. Wir denken: "Es bringt uns unserem Ziel näher." Und tatsächlich entfernt es uns von uns selbst. Wir werden dadurch eine leere Hülle. Und das nur, weil wir dringend wirken wollten.
Für unsere Wirkung haben wir unsere Authentizität, unsere Integrität und damit letztendlich uns selbst geopfert. Kein Drang, kein Wunsch und vor allem kein Geld der Welt ist es wert, das zu tun. Es führt uns in einen Bereich, für den wir nie bestimmt waren. Falls wir dort bereits angekommen sind, müssen wir ihn aufgeben. Falls wir auf dem Weg dorthin sind, müssen wir umkehren. Und falls wir gerade in diese Richtung aufbrechen wollten, müssen wir unseren Drang zu wirken ignorieren.