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    16.5.2026AQ 3095
    »Der geheuchelten Sorge folgt immer der Wunsch nach Beherrschung.«
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    Die angebliche Sorge um jemanden ist die perfekte Ausrede für Herrschaft. Der angeblichen Sorge um jemanden folgt immer der Drang, ihn zu beherrschen. Die Sorge um dich ist die perfekte Ausrede dafür, dir vorzuschreiben, was du tun sollst. Angebliche Sorgen rechtfertigen jeden Eingriff in dein Leben. Mit Sorgen kannst du deinen offensichtlichen Drang nach Herrschaft über andere perfekt verschleiern. Und nicht nur das: Du kannst ihn sogar ins Gegenteil verkehren. Wenn du Zwang auf andere ausübst und behauptest, du würdest das tun, weil du dir Sorgen um sie machst, bist du sogar noch ein barmherziger und wohltätiger Samariter.

    Vielleicht kommt dir das bekannt vor? Die letzten Jahre waren eine Blaupause dafür. Niemand wollte andere zwingen, um seine Herrschaftsgelüste auszuleben. Jeder wollte dich nur schützen. Vielleicht hast du sogar dich selbst dabei erwischt? Ungefühlte und deshalb verdrängte Sorgen sind die beliebteste Ausrede für unsere eigenen charakterlichen Schwächen. Im Namen der Sorge um andere können wir uns bei den meisten Menschen fast alles erlauben. Vor allem dann, wenn diese Menschen Angst davor haben, als unmoralisch zu gelten und wenn sie Angst davor haben, alleine zu stehen. Da trifft also die eine charakterliche Schwäche auf die andere charakterliche Schwäche. Und wenn zwei charakterliche Schwächen aufeinandertreffen und sich dabei gegenseitig perfekt ergänzen, entsteht genau die Dynamik, die du beobachten konntest.

    Deshalb ist die Lösung einer solchen Dynamik niemals, sich durchzusetzen, sondern immer die Arbeit an der eigenen charakterlichen Schwäche. Diese Arbeit besteht nicht darin, dass du deine Schwäche durch Selbstgeißelung eliminierst. Sie besteht auch nicht darin, dich zu verstellen und künstlich irgendetwas vorzuspielen. Eine charakterliche Schwäche entsteht immer durch ungefühlte Gefühle. Und sobald du bereit bist, diese Gefühle im Körper wahrzunehmen, verändert sich bereits etwas, auch wenn sich nach außen noch nichts verändert. Wenn Menschen versuchen, an sich zu arbeiten, arbeiten sie an den falschen Baustellen. Sie versuchen, sich künstlich zu verändern. Und das, obwohl sie eigentlich aus Erfahrung wissen müssten, dass die Halbwertszeit einer künstlichen Veränderung äußerst gering ist. Genau genommen gibt es gar keine Veränderung ohne die Aufdeckung der ungeliebten Gefühle.

    Unser gesamtes Verhalten, vor allem unser gesamtes programmiertes Verhalten, basiert auf diesen Körperempfindungen, die wir nicht wahrnehmen wollen. Nur deshalb handeln wir unbewusst und affektiv. Nur deshalb sind unsere Handlungen reflexartig. Sie dienen dazu, die Körperempfindung zu unterdrücken. Deshalb behaupten wir lieber, besorgt zu sein, als zuzugeben, dass wir andere beherrschen wollen.

    Sorge
    Herrschaft