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    1.5.2026AQ 3080
    »Wir verehren die Rebellen und orientieren uns an den Konformisten.«
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    Wenn nicht offensichtlich und öffentlich, dann verehren wir die Rebellen zumindest insgeheim. Vielleicht wollen wir gar nicht so sein wie sie, aber wir würden uns gerne das trauen, was sie sich trauen. Wir wären gerne mutiger und stellen uns dabei vor, dass ein Mensch mit Mut keine Angst hat. Denn unsere Angst sorgt dafür, dass wir uns an den Konformisten orientieren. Deshalb denken wir, ein Rebell hätte keine Angst. Dabei ist es genau umgekehrt: Ein Rebell hat sehr viel Angst. Der Unterschied ist, dass der Rebell seine Angst konfrontiert und fühlt. Und das macht er so lange, dass er in einem bestimmten Bereich entweder keine Angst mehr hat oder es ihm egal ist, dass er Angst hat.

    Und es gibt noch etwas Subtileres, das uns nicht auffällt: Ein Rebell muss Fehler machen. Und selbst wenn das nicht so wäre, würde er sie trotzdem machen. Erstens, weil Fehler nicht ausbleiben. Ein Rebell hat das erkannt und weiß das. Zweitens, weil er mehr lernt, wenn er Fehler macht. Drittens — und das verstehen die meisten Menschen aufgrund ihrer Programmierung nicht — weil jedes Verhalten in den Augen irgendeines Menschen ein Fehler ist und weil du als Rebell immer dem Urteil anderer Menschen ausgesetzt bist. Davor fürchten sich fast alle und orientieren sich deshalb lieber an den Konformisten. Die Angepassten sind mit weniger Urteilen und Verurteilung konfrontiert. Das ist der Grund, warum sie sich anpassen. Selbst diejenigen, die die Konformisten kritisieren könnten, tun das nicht. Das sind nämlich die Rebellen. Und die sind damit beschäftigt, ihre eigenen Erfahrungen zu machen, statt sich um andere zu kümmern. Sie haben keine Zeit oder keine Lust, über die Schwächen der Angepassten zu diskutieren. Und falls sie es versuchen, scheitern sie meistens.

    Denn die Konformisten können die Rebellen nicht verstehen. Sie können nicht verstehen, warum sich die Rebellen der Gefahr aussetzen. Für die Konformisten ist fast alles gefährlich. Deshalb versuchen sie, alles Gefährliche zu vermeiden. Ob es wirklich gefährlich ist, wissen sie aber gar nicht. Sie vermeiden hauptsächlich das, was als gefährlich gilt. Sie versuchen, Risiken abzuwägen und können dabei noch nicht einmal erkennen, dass das alles nur in ihrer Fantasie stattfindet. Und sie sehen auch nicht, dass ihre Fantasie angstbesetzt ist. Und sie wollen auch nicht sehen, dass es immer irgendein Risiko gibt. Sie sind überzeugt, dass sie durch rationale Abwägungen den sichersten Weg gehen können. Und all das nur, um keine Angst zu haben und vom Rest der Menschen nicht ausgeschlossen zu werden.

    Die einzige Therapie, die es gegen Angst gibt, ist, dich mit der Angst zu konfrontieren. Du kannst hunderte Gespräche über deine Angst führen, diese Gespräche werden deine Angst nicht auflösen. Ganz im Gegenteil, sie werden sie immer wieder hervorholen. Du wirst dann deine Angst theoretisch besprechen, andere werden dir zustimmen, dass es richtig ist, dass du Angst hast oder sie versuchen, dir deine Angst auszureden. Beides bringt nichts. Die Veränderung beginnt erst dann, wenn du dich mit deiner Angst konfrontierst. Vorher bleibt alles graue Theorie.

    Die Konfrontation mit deiner Angst ist der Grund, warum du Rebellen insgeheim verehrst. Denn sie machen genau das, was notwendig ist, um zu heilen.

    Rebell
    Angst
    Fehler
    Konformist