Niemand will das tun, wofür er hier ist. Besser gesagt, kein Ego will das zulassen. Und falls jemand behauptet, er würde seine Berufung leben und er feiert das auf die Art und Weise, wie er früher gefeiert hat, dann ist es nicht seine Berufung.
Deine Berufung zu leben ist ein Egokiller. Und das hat ganz einfache Gründe. Du bist es nicht gewohnt, alle haben dich bisher davon abgehalten, niemand konnte es in dir sehen, du bist in dem falschen Umfeld unterwegs und deshalb bekommst du den Eindruck, es gäbe dafür keine Nachfrage und du denkst, du müsstest etwas dafür tun. Der letzte Grund ist der heftigste. Gleichzeitig ist er am schwierigsten zu beschreiben. Denn einerseits musst du tatsächlich nichts dafür tun und gleichzeitig bedeutet es auch, dass du sogar Dinge dafür tust, die du früher nie getan hättest, weil sie dir zu anstrengend und zu mühsam waren, weil du nichts damit zu tun haben wolltest und weil du sie vielleicht sogar abgelehnt hast.
Das zu tun, wofür du hier bist, ist das Unmöglichste überhaupt. Denn du wirst dort nicht auf der Sänfte hingetragen. Du musst es hart und schmerzhaft für dich selbst erkennen. Und nur weil du deine Berufung lebst, wird es deshalb nicht einfacher. Denn auf diesem Weg erkennst du so viel und dein Ego wird derart herausgefordert, dass du regelmäßig aufgeben möchtest. Der einzige Unterschied zu früher ist: Du kannst nicht mehr aufgeben. Du kannst dich hingeben und du kannst zulassen, dass es so läuft, wie du es dir nicht vorstellst. Das trägt mehr zum Leben deiner Berufung bei als jede Suche vorher.
Das meiste, das angeboten wird als Weg zur Berufung, füttert dein Ego. Es macht dir deine Berufung schmackhaft. Und deshalb glauben die Menschen tatsächlich, die Berufung sei ihre Erfüllung. Tatsächlich ist die Berufung die Nichterfüllung all dessen, was sich dein Ego jemals gewünscht hat. Gleichzeitig ist es auch die Erfüllung all dessen, was deine Seele braucht. Und dafür gibt es ein einziges, immens wichtiges Zeichen: Druck und Stress fallen von dir ab. Sie sind höchstens noch Randerscheinungen. Und sie treten immer mehr in den Hintergrund. Vor allem verschwinden sie vollkommen, was deine Tätigkeit betrifft.
Wenn du zum Beispiel glaubst, deine Berufung sei es, auf einer Bühne zu stehen und du hast noch Lampenfieber, dann ist es nicht deine Berufung. Das bedeutet nicht, dass du nicht auf einer Bühne stehen darfst. Du darfst jede Erfahrung machen. Es bedeutet noch nicht einmal, dass auf der Bühne zu stehen nicht deine Berufung ist. Aber es könnte sein, dass du das falsche Thema gewählt hast. Oder es könnte sein, du hast das richtige Thema gewählt, aber du solltest nicht auf einer Bühne stehen.
Wenn du deine Berufung lebst, bist du maximal entspannt. Entspannung ist das deutlichste Zeichen für deine Berufung. Solange du dich auf irgendeine Art und Weise stresst, hast du Ideen und Wünsche mit deiner Berufung verbunden, die nicht dazugehören. Und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass du dich an anderen orientierst. Du glaubst, du müsstest es auf eine bestimmte Art und Weise machen, die du von anderen kennst. Doch genau das ist nicht der Fall und das ist der größte Fehler. Denn deine Berufung hat was mit dir zu tun und nicht mit den anderen.
Das sind die zwei größten Fehler im Bereich der Berufung: Kaum jemand will das machen, wofür er hier ist. Und falls er es machen will, will er es so machen, wie es die anderen machen.