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    16.4.2026AQ 3065
    »Humor ist einer der akzeptiertesten und weitverbreitetsten Verdrängungsmechanismen.«
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    Viele denken ja, ich möchte provozieren und meine Zitate gelten teilweise als kontrovers. Dabei sind sie selten allgemein gemeint, auch wenn sie allgemein formuliert sind. Außerdem sind sie keine Anklage, sondern eine Möglichkeit zur Selbstreflexion. Und so verhält es sich auch mit dem heutigen Zitat. Es beruht nicht auf einer allgemeingültigen Wahrheit, sondern auf meiner Beobachtung. Und die ist gar nicht so angenehm, denn ich bin durchaus ein Freund von Humor. Deshalb möchte ich auch niemanden schlechtreden, der humorvoll ist.

    Die Variante, die noch die meisten Menschen verstehen, ist Sarkasmus oder Zynismus. In diesen Fällen ist es halbwegs offensichtlich, dass man auf die eine oder andere Art und Weise verbittert sein muss, um sarkastisch oder zynisch zu sein. Frei von Verbitterung funktionieren Sarkasmus und Zynismus überhaupt nicht. Das bedeutet deshalb ja nicht, dass es schlecht ist, es ist nur offensichtlich. Das bedeutet, der Sarkastiker oder Zyniker muss in seiner Kindheit irgendwann aufgegeben haben. Was er erlebt hat, muss ihn überfordert haben und ab dann hatte er die ein oder andere abfällige Bemerkung über die Welt und die anderen parat. So hat er versucht, sich selbst aus dem Ganzen rauszunehmen. Er wollte kein Teil davon sein. Er wollte nicht mitmachen. Ein Mensch, an dem du das wunderbar beobachten kannst, ist Harald Schmidt. Früher wäre das nur eine Vermutung gewesen. Doch mittlerweile zeigt sich sehr deutlich, wo er steht und vor allem, wo er nicht steht. Er zeigt sehr deutlich, dass er bei dem, was die anderen machen, nie mitmachen wollte und nicht mitmacht.

    Es gibt aber natürlich auch den fröhlichen Komiker, der mit Hilfe von Charme, Humor und Witz über seine Verletzungen hinwegtäuscht. Ich habe Menschen erlebt, die konnten große Gruppen abendfüllend unterhalten. Sie waren nicht nur der Pausenclown, sondern das Partytier auf Hochzeiten, der Alleinunterhalter bei geselligen Abenden, derjenige, der immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hatte. Das alles war vor den Kulissen. Hinter den Kulissen waren sie zutiefst depressiv. Nichts hat ihnen Freude bereitet und niemand konnte ihnen eine Freude bereiten. Es war das Widersprüchlichste und Traurigste, das ich jemals erlebt habe. Denn nichts und niemand konnte sie aufheitern. Diejenigen, die alle anderen erheitern, sind selbst nicht erheiterbar und zu allem Überfluss hat sich herausgestellt, dass ihre Kindheit der Horror war. Der Humor war ihre Möglichkeit, vor diesem Horror zu fliehen, ihn für einige Zeit zu vergessen. Alleine deshalb würde ich niemals sagen, dass es ein schlechter Verdrängungsmechanismus ist.

    Die begnadetsten Komiker sind oft die Depressivsten. Auch dann, wenn ihnen das selbst gar nicht klar ist. Und da wir gerne unterhalten werden, schauen wir lieber nicht hinter die humorvollen Kulissen.