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    15.4.2026AQ 3064
    »Wir identifizieren uns so sehr mit den Geschichten, die uns erzählt wurden, dass wir sie lieber verteidigen, statt in Frage zu stellen.«
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    Der Grund, warum Menschen das verteidigen, was ihnen gesagt wurde, liegt nicht darin, dass sie es für wahr halten. Es liegt daran, dass sie sich damit identifizieren. Sie identifizieren sich mit einer Geschichte. Es fühlt sich für sie so an, als wäre die Geschichte ein Teil von ihnen. Und alles, was du für einen Teil von dir hältst, musst du verteidigen.

    Das ist der Grund, warum die meisten Menschen nichts oder nur sehr wenig in Frage stellen können. Es würde für sie nämlich bedeuten, dass sie ihre eigene Existenz in Frage stellen. Doch das, was man uns erzählt hat, hat mit unserer Existenz nichts zu tun. Wir sind in Wahrheit vollkommen unabhängig davon. Die einzige, aber auch stärkste Verbindung, die es gibt, sind die Körperempfindungen, die mit diesen Geschichten verbunden sind.

    Es ist dabei egal, ob diese Körperempfindungen positiv oder negativ sind. Das Entscheidende ist die Verbindung. Denn an diese Verbindung gewöhnen wir uns und die Gefühle, die ausgelöst werden, halten wir für normal und richtig. Und wir halten es auch für normal und richtig, dass wir diese Geschichten verteidigen wollen. So sind wir programmiert, ohne es zu bemerken. Wir glauben dabei auch, es sei unsere freie Entscheidung, diese Geschichten zu verteidigen. Wir sind überzeugt, wir stünden für das Gute und Richtige ein. Und jeder, der uns irritiert, stört diese Überzeugung.

    Deshalb lehnen wir die Störenfriede ab. Sie sind herausfordernd und unbequem. Dabei weisen sie uns nur auf das hin: Es könnte sein, dass die Geschichten, an die wir glauben, nicht wahr sind. Es ist möglich, dass uns die falschen Geschichten erzählt wurden. Dazu muss uns niemand belogen haben. Zumindest nicht bewusst und nicht absichtlich. Es genügt, dass die vor uns an die Geschichten geglaubt haben. Wir haben sie zu unseren gemacht. Und jetzt wollen wir sie aus Angst und Bequemlichkeit nicht mehr aufgeben. Dabei ist die Identifikation mit diesen Geschichten und den damit verbundenen Gefühlen überhaupt nicht echt.

    Du kannst dich mit jeder Geschichte identifizieren oder auch mit keiner. Du könntest die Geschichten alle vergessen und dich nur noch auf das praktische Leben konzentrieren. Du brauchst gar keinen Ersatz für die Geschichten, die dir erzählt wurden. Es ist nicht notwendig, dass du dich mit irgendeiner Geschichte identifizierst. Du kannst für immer zwischen den Stühlen sitzen und nicht wissen. Du kannst auch von einer anderen Geschichte überzeugt sein und sie trotzdem ignorieren.

    Geschichten sind das Unterhaltungsprogramm unseres Verstandes. Deshalb macht nichts mehr Sinn, als uns von den Geschichten zu desidentifizieren.

    Identifikation
    Geschichten