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    9.4.2026AQ 3058
    »Derjenige, der dir einen Sinn gibt, bestimmt über dich.«
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    Derjenige, der dir einen Sinn gibt, herrscht über dich. Das ist bei Religionen genauso wie bei Staaten. Dabei ist der Sinn nicht unbedingt das, was wir als sinnvoll bezeichnen, sondern das, was wir als gegeben akzeptiert haben. So gibt es ganz sicher nur sehr wenige Menschen, die mir zustimmen würden, wenn ich sage: "Dein Sinn ist es, Steuern zu zahlen." Als Sinn unseres Lebens würden wir das ablehnen. Trotzdem nehmen wir es als gegeben.

    Genauso gibt es in den Religionen bestimmte Lehren, die wir intuitiv ablehnen. Trotzdem sind sie ein Bestandteil dieser Religionen und werden von uns als solche akzeptiert. Das ist dann zwar nicht der Sinn unseres Lebens, aber wir akzeptieren es als Sinn der Religion oder des Staates. Für die meisten ist es auch nicht der Sinn ihres Lebens, bei der Bundeswehr in den Krieg zu ziehen. Trotzdem halten wir die Bundeswehr für sinnvoll.

    Wenn dir jemand einen Sinn gibt, dann geht es also nicht unbedingt um den tiefen Sinn deines Lebens, sondern um von dir akzeptierte sinnvolle Einrichtungen und Umstände. Und wenn du die gegebenen Einrichtungen und Umstände als sinnvoll akzeptiert hast, dann ist das bereits Teil der Herrschaft über dich. Dazu ist es teilweise sogar notwendig, dass das kein tieferer Sinn ist, denn den würden viele in Frage stellen. Es ist viel besser, wenn es oberflächlich sinnvoll erscheint, denn dann akzeptierst du es viel leichter. Natürlich geht das auch mit einem tieferen Sinn. Doch dafür ist der Aufwand viel, viel größer. Wenn dieser tiefere Sinn einmal akzeptiert ist, wie vor allem bei den Religionen, dann ist die Herrschaft fast schon absolut. Denn egal, wie sinnlos der verinnerlichte Sinn ist, du musst ihm treu ergeben sein, damit dein Leben weiterhin Sinn ergibt.

    Kaum etwas ist mit so viel Angst verbunden wie Sinnlosigkeit. Und genau deshalb sind wir froh, wenn uns der Sinn von außen gegeben wird. Außerdem sind wir es nicht anders gewöhnt. Wir kennen es genau so: Der Sinn kommt von anderen. Er wird uns gegeben und wir akzeptieren ihn. Unser Umfeld erklärt uns die Welt, wie sie ist und wir akzeptieren diese Erklärung. Und das, ohne zu wissen, ob es tatsächlich stimmt, was sie uns über die Welt sagen. Viele von ihnen vertreten die Erklärung dieser Welt mit derartiger Vehemenz, dass wir uns gar nicht trauen, diese Erklärung zu hinterfragen. Oder wir vertrauen ihnen so sehr, dass wir das, was sie erklären, als gegeben hinnehmen.

    Ein Teil von Erwachen ist die Möglichkeit zu erkennen, dass diese Erklärungen falsch sein könnten. Damit endet auch die Herrschaft derjenigen, die dir einen Sinn gegeben haben. Und da Herrscher ihre Herrschaft in der Regel nicht freiwillig aufgeben, kann es dabei durchaus turbulent zugehen. Im Kleinen wie im Großen.

    Sinn von Fremden ergibt Fremdherrschaft. Sinn von dir selbst ergibt Selbstbeherrschung.

    Sinn
    Bestimmen
    Herrschen
    Akzeptanz
    Religion
    Staat
    Herrschaft