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    8.4.2026AQ 3057
    »Der Wunsch nach Gemeinschaft ist die Verdrängung der Angst vor Individualität.«
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    Wenn Menschen anstreben, in Gemeinschaften zu leben, dann ist der Grund für dieses Streben in den meisten Fällen die Angst davor, alleine dazustehen. Alleine dazustehen beinhaltet zwei Komponenten. Die eine ist, keine Unterstützung zu haben, niemanden zu kennen, der dir hilft. Während diese Angst verständlich ist, ist sie in der Regel nicht berechtigt, denn die gesamte Welt ist arbeitsteilig.

    Es gibt keinen einzigen Menschen, der alles alleine machen kann. Deshalb lebst du schon immer in einer Gemeinschaft. Du realisierst es nur nicht. Du hast noch nie außerhalb einer Gemeinschaft gelebt. Du hast auch noch nie etwas außerhalb einer Gemeinschaft getan. Es fühlt sich vielleicht nicht gemeinschaftlich an, aber ohne Gemeinschaft könntest du überhaupt nicht so leben, wie du momentan lebst. Für alles, was du kaufst, ist Gemeinschaft notwendig.

    Diese Gemeinschaft existiert hinter den Kulissen. Sie fällt dir deshalb nicht auf, aber du könntest trotzdem dankbar dafür sein. Ganz egal, wo du gerade bist, schau dich um und schau genau hin. Nichts von dem, was du siehst, ist ohne Gemeinschaft entstanden. Selbst wenn du auf ein Bild schaust, das du selbst gemalt hast. Du könntest denken: "Aber Stefan, dieses Bild stammt tatsächlich von mir. Es ist ohne Gemeinschaft entstanden." Doch das stimmt nicht. Denn die Farben hast du nicht selbst hergestellt.

    Unser gesamtes Leben ist also schon immer Gemeinschaft. Ob wir das realisieren, ist eine andere Frage. Der zweite Aspekt von Individualität betrifft deinen Standpunkt. Es geht dabei darum, alleine dazustehen, ganz ohne Bestätigung durch andere. Die meisten Menschen wollen das nicht aushalten. Für dich zu stehen beinhaltet auch, für dich einzustehen. Da wir Angst haben, verurteilt zu werden, wünschen wir uns die Erlaubnis und die Legitimation durch eine Gruppe oder Gemeinschaft.

    Alleine zu sein und alleine zu stehen, ist das Beängstigendste überhaupt und genau deshalb haben wir Angst vor unserer Individualität. Diese Angst versuchen wir durch Anpassung zu kompensieren. Und wenn wir merken, dass wir uns nicht mehr anpassen können, wünschen wir uns eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten. Nicht weil das besser wäre, sondern weil wir dann nicht mehr alleine dastehen. Unsere Individualität wird unsichtbar und deshalb haben wir weniger Angst.

    Während wir auf der einen Seite unsere Individualität feiern wollen, macht uns auf der anderen Seite nichts so sehr Angst wie genau diese Individualität. Und wir tun alles dafür, damit sie nicht sichtbar wird.

    Gemeinschaft
    Individualität
    allein sein