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    4.4.2026AQ 3053
    »Die Wahrheit über die Geschichte wird am einfachsten durch einen Generationenkonflikt unterdrückt.«
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    Es ist dabei vollkommen egal, wodurch dieser Konflikt entsteht. Wichtig ist dabei, dass Jung und Alt streiten und sich gegenseitig verurteilen. Es genügt auch, wenn das von einer Generation ausgeht, zum Beispiel von den Jungen gegenüber den Alten. Wenn die Jungen sich nicht mehr für das interessieren, was die Alten zu erzählen haben, ist die Geschichte bereits verfälscht. Und zwar vollkommen unabhängig davon, was in den Geschichtsbüchern steht. Idealerweise meinen die Jungen, sie wüssten durch das Studium von Büchern mehr als die Alten durch ihre eigene Erfahrung. An diesem Punkt hat die Arroganz ihren Höhepunkt, denn es gibt kaum etwas Überheblicheres als die Idee, durch Lesen und Auswendiglernen mehr wissen zu können als derjenige, der es selbst erlebt hat.

    Noch fieser wird dieser Generationenkonflikt, wenn die Jungen die Alten verurteilen. Denn dann ist gleichzeitig ein derartiger Keil in das Erinnerungsvermögen, das die Alten sind, getrieben worden, dass sich die Jungen keiner einzigen Erinnerung mehr bedienen können. Sie wollen es nicht mehr hören und sie können es nicht mehr hören, weil sie sich selbst für tugendhafter halten als die Älteren. Sie sitzen damit auf einem derart hohen Ross, dass es auch gar keine Möglichkeit der Versöhnung mehr gibt. Denn schlimmer als eine Lüge zu glauben, ist es zu erkennen, eine Lüge geglaubt zu haben. Die Erkenntnis, verarscht worden zu sein, zieht einem den Boden unter den Füßen weg. Für manche würde das bedeuten, einen Nervenzusammenbruch zu bekommen. Alleine deshalb muss diese Erkenntnis verdrängt und abgelehnt werden.

    Wenn die Jungen nicht mehr mit den Alten sprechen und stattdessen lieber Bücher lesen und zitieren, verhindern sie selbst den Zugriff auf den größten verfügbaren Schatz. Dabei wäre es eine höchst spirituelle Übung, den älteren Generationen vorbehaltlos zuzuhören. Und das wäre auch eine spirituelle Übung für die älteren Generationen, frei von Erwartungen und frei von Maulkörben, von dem zu berichten, was sie erlebt haben.

    Wir könnten alle viel über unsere eigene Programmierung lernen, wenn wir anderen zuhören. Und auch die, denen wir zuhören, könnten etwas über ihre eigene Programmierung lernen. Denn auch wenn sich die Umstände ändern, unsere Psychologie hat sich nicht verändert. Wie und warum wir reagieren und wie wir deshalb steuerbar sind, ist über die Generationen weitgehend gleich geblieben. Deshalb wird es immer noch genutzt. Teilweise sogar viel offensichtlicher als früher. Nach ein paar Jahrzehnten Leben könnte uns das auch auffallen. Es fällt uns nur dann nicht auf, wenn wir glauben, bereits alles zu wissen.

    Wahrheit
    Geschichte
    Generationenkonflikt