Für Menschen, die im Mangel leben, klingt Folgendes vollkommen unlogisch, weil uns von allen Seiten etwas anderes beigebracht wird. Und das noch nicht einmal aus böser Absicht, sondern weil sie selbst im Mangel leben. Nur weil sie ein bisschen mehr Geld haben und ihre Finanzen deshalb scheinbar im Griff haben, bedeutet das noch lange nicht, dass sie in Fülle leben. In Fülle zu leben hat nämlich nichts mit deinem Kontostand zu tun. Es hat mit deinem Gefühl zu tun, das du hast, wenn du Geld ausgibst. Und es hat mit deinem Gefühl zu tun, das du hast, wenn du Geld einnimmst.
Nach dieser Definition leben selbst diejenigen, die viel Geld haben, meistens nicht in Fülle. Deshalb geben sie dir alle die falschen Ratschläge und verstehen das heutige Zitat und Folgendes nicht: Durch Sparen, also durch Geiz, kannst du nicht in die Fülle kommen, weil das Gefühl von Sparen und von Geiz nicht dem Gefühl von Fülle entspricht. Das Gefühl von Fülle ist sogar eher eine Abwesenheit als eine Anwesenheit. Fülle ist die Abwesenheit von Geiz beim Ausgeben von Geld. Du musst also Geld so ausgeben, als ginge es um nichts, als würde es dir nichts bedeuten und als müsstest du deshalb auch nicht krampfhaft daran festhalten.
Für die meisten Menschen ist dieser Zustand unvorstellbar. Es ist eines ihrer größten Tabus in ihnen selbst. Entweder können sie es sich gar nicht vorstellen, jemals ohne das Gefühl von Geiz zu sein, oder sie haben gleich die nächste Blockade, sie wollen nämlich nicht protzig wirken. Dabei ignorieren sie vollkommen, dass es nicht um die Höhe der Ausgaben geht. Wenn du wenig Geld hast, kannst du mit wenig beginnen. Ich habe nur die Erfahrung gemacht, dass diejenigen mit sehr wenig niemals beginnen wollen. Ich habe aber eine Übung für Menschen, die fast gar kein Geld haben. Und diese Übung ist wirklich sehr einfach und für jeden machbar.
Du nimmst entweder deine letzten zehn Euro und tauscht sie in Zehn-Cent-Stücke. Falls du tatsächlich nicht einmal mehr zehn Euro hast, nimmst du deinen letzten Euro und tauschst ihn in hundert Ein-Cent-Stücke. Und dann beginnst du sie zu verschenken. Nicht, um jemandem eine Freude zu machen, sondern um Loslassen zu üben und um im Laufe der Zeit immer weniger Geiz zu fühlen, während du abgibst. Es geht dabei nicht darum, dass es irgendjemand mitbekommt, was du tust, außer dir. Du gehst einfach im Park spazieren und lässt ein Centstück nach dem anderen fallen. Das machst du nicht ein- oder zweimal. Das machst du ab sofort mindestens jede Woche einmal. Und du hörst damit auch nie wieder auf.
Die meisten Menschen beginnen eine Übung, um damit fertig zu werden. Jeder erfolgreiche Mensch weiß, dass er für immer übt. Das Einzige, was sich verändert, ist das Niveau. Wenn du gerade erst mit dem Lauftraining begonnen hast, ist dein Niveau niedrig. Nach ein paar Wochen ist es schon höher. Deshalb hörst du aber nicht auf zu laufen. Du machst einfach weiter, denn jetzt wird es ja erst spannend. Und das hat nichts damit zu tun, dass du gierig bist, vielleicht gierig nach Laufen. Entsprechend bist du nicht gierig nach Geld, sondern gierig nach der Erfahrung, Geld frei von Schmerzen loszuwerden.
Du lässt dich auf ein Abenteuer ein, ein Abenteuer der konstanten Entwicklung. Diese Entwicklung hat kein Ende. Und diese Entwicklung wird weitere Herausforderungen mit sich bringen. Zum Beispiel Veränderungen in deinem Gefühl, die du überhaupt nicht auf dem Schirm hattest. Alle diese Veränderungen nimmst du als Teil des Weges dankbar an. Und du hörst mit dieser Übung nie wieder auf. Vollkommen unabhängig davon, ob du sie als erfolgreich und effektiv bewertest oder nicht. Und auch vollkommen unabhängig davon, ob sich etwas verändert oder nicht: Du machst sie über Jahre. Und du hörst nicht auf damit — ganz egal, was passiert. Du machst einfach weiter.