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    23.3.2026AQ 3041
    »Das Jüngste Gericht ist keine Bestrafung durch andere, sondern Selbsterkenntnis.«
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    Selbsterkenntnis ist viel härter als Strafe. Deshalb wird sie so selten angestrebt. Sie ist aber auch reinigender als Strafe und deshalb lohnt es sich. Die christliche Vorstellung eines Jüngsten Gerichts beziehungsweise eines Tages der Abrechnung vor Gott ist nicht nur falsch, sie ist sogar kontraproduktiv. Ich lese dir dazu vor, was behauptet wird, dann kannst du es mit deinem eigenen Erleben abgleichen:

    "Verantwortung im Alltag: Die Vorstellung des Tages der Rechenschaft beeinflusst christliches Handeln nicht aus Angst, sondern aus der Überzeugung, dass man vor Gott verantwortlich ist für das eigene Leben, die Worte, die Talente und die Verantwortung gegenüber anderen."

    So weit, so gut. Doch wie ist es tatsächlich? Hat es dir als Kind keine Angst gemacht, dass du eines Tages vor Gott Rechenschaft ablegen musst? Wusstest du überhaupt, was das bedeuten soll? Und warum ist dabei überhaupt nichts Positives rübergekommen, wenn es doch angeblich darum geht, ein guter Mensch zu sein? Du solltest schließlich nicht aus Angst handeln. Steht hier zumindest.

    Doch warum habe ich niemals in meinem gesamten Leben ein gutes Gefühl bekommen, wenn jemand über das Jüngste Gericht gesprochen hat? Erstens, weil es eine Lüge ist. Die Vorstellung eines Jüngsten Gerichts ist viel zu menschlich und es arbeitet mit rein menschlichen Vorstellungen. Mit Zuckerbrot und Peitsche. Als würde da tatsächlich ein Mann mit weißem Bart sitzen, der dich beurteilt. Das hat viel zu viel mit dem Vater deiner Kindheit zu tun. Wenn du brav warst, wirst du belohnt. Wenn du böse warst, wirst du bestraft. Und das von einem Vater, der dir keine Anleitung gegeben hat, wie dieses Spiel hier funktioniert.

    Da wird die Rolle und die Vorstellung eines Arschlochvaters einfach in Gott projiziert. Etwas Absurderes und Dreisteres kann ich mir kaum vorstellen. In allererster Linie ist es aber vor allem eines — und zwar dumm. Aus der eigenen Unfähigkeit, spirituelle Erkenntnis zu erlangen, wird ein Gottesbild aufgebaut, das dich genau in dem gefangen hält, das du verlassen musst. Das ist an Zynismus kaum zu überbieten, hat aber natürlich einfach nur mit der eigenen Unfähigkeit zu tun.

    Du gibst einem Kind die Geschichte eines fiktiven Mannes in den Wolken, damit es Angst vor dem hat, falls du mal nicht da bist. Einer, der dir immer im Nacken sitzt, der dich immer kontrolliert und der eine beschissene Strichliste führt. Wenn das Gott sein soll, dann ist er es nicht. Die Geschichte von Gott ist die Geschichte der menschlichen Verdummung und aus Ignoranz, diese Verdummung anzuerkennen, schreiben wir sie einfach fort.

    Es kann nur einen einzigen Sinn für das Jüngste Gericht geben, falls es überhaupt existiert. Und dieser Sinn ist Erkenntnis. Es hat keinen Wert, wenn du belohnt oder bestraft wirst. Doch der Wert von Erkenntnis und Selbsterkenntnis ist endlos.

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