Die Welt erscheint in Aufruhr, weil sie dir so präsentiert wird. Sie ist aber überhaupt nicht einheitlich in Aufruhr. Nur der Fokus der Berichterstattung liegt auf dem Aspekt von Aufruhr und Chaos. Das wenige Chaos, das es gibt, wird dir so konzentriert präsentiert, dass du den Eindruck bekommst, alles sei chaotisch. Tatsächlich ist nur der geringste Teil chaotisch und das auch noch absichtlich.
Dieses konstruierte Chaos trifft auf deine Unsicherheit. Es trifft auf Gefühle in dir, die du dir dein Leben lang nicht anschauen wolltest. Und da sich die meisten Menschen diese Gefühle immer noch nicht anschauen wollen, glauben sie wirklich, die äußere Welt sei der Grund dafür. Sie sind überzeugt, dass die Welt in Aufruhr sei. Sie ignorieren weit mehr als 99,99 Prozent Stille. Das ist Stille in der Welt und Stille in dir. Stille außerhalb und Stille innerhalb.
Ich meine damit nicht nur die spirituelle Stille, sondern tatsächlich auch die weltliche. Im Verhältnis zu dem, was wir in den Medien sehen und was dadurch in uns ist, ist auch die Welt außerhalb von uns unfassbar still. Es passiert überhaupt nicht so viel, wie wir den Eindruck haben, dass passiert. Und selbst wenn viel passiert, ist es überhaupt nicht so laut, wie es in uns durch all die Hiobsbotschaften ist.
Unsere Aufruhr sorgt für eine verzerrte Wahrnehmung der Realität. Durch diese Verzerrung ergibt sich unsere Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit ist nicht real, fühlt sich aber so an. Sie fühlt sich so an, weil die passenden Gefühle zur gezeigten Aufruhr in uns sind. Die Projektion außerhalb von uns sorgt für die Projektion in uns. Das ist ein derart unfassbarer Mechanismus, dass er selbst denen nicht klar ist, die die ganze Zeit darüber sprechen. Sie sprechen nämlich nur dann darüber, wenn es ihnen leichtfällt oder wenn sie über ihren eigenen Schmerz hinwegtäuschen wollen.
Leichtigkeit macht diese Erkenntnis einfach. Integriert wird sie erst durch die Schwere eines Gefühls. Erst dann, wenn du nicht mehr leicht reden hast, verarbeitest du deine Gefühle wirklich. Dann, wenn sich die Projektion außerhalb und innerhalb von dir so echt anfühlt, dass du es nicht mehr leicht nehmen kannst, merkst du, dass es gar nicht so einfach ist, deine eigenen Tipps umzusetzen. Und damit meine ich natürlich nicht dich, sondern diejenigen Kommentatoren mit den tollen spirituellen Ratschlägen.
Zu der heutigen Erkenntnis kommst du nicht dadurch, dass du die Gefühle, die die Aufruhr der Welt außerhalb von dir in dir auslöst, verdrängst und ignorierst oder leugnest. Zu der heutigen Erkenntnis kommst du nur, wenn du bereit bist, das, was in dir durch die äußere Welt ausgelöst wird, wirklich vollkommen wahrzunehmen. Wenn du das tust, ist die Stille in dir nicht mehr aufgrund von Verdrängung hier, sondern aufgrund von Akzeptanz all dessen, was ist.
Eine derartige Akzeptanz braucht enorm viel Übung. Sie lässt sich weder durch schlaue Sprüche noch durch kurzzeitige Ausflüge in die Spiritualität erreichen. Sie braucht deine gelebte Praxis. In Stille und in Aufruhr.