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    13.3.2026AQ 3031
    »Es ist nicht spirituell, über Spiritualität zu sprechen.«
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    Die meisten spirituellen Menschen sind nicht nur der Meinung, dass sie überall über Spiritualität sprechen müssen, sie praktizieren es auch. Sie müssen überall einfließen lassen, dass und wie spirituell sie sind. Jede ihrer Antworten wird zu einer spirituellen Antwort. Sie können überhaupt nicht mehr normal mit dir sprechen und sind deshalb die schlimmsten Gesprächspartner.

    Ich habe das bei Treffen von Spirituellen so oft erlebt. Das artet manchmal sogar in einem richtigen spirituellen Wettbewerb aus. Wer gibt die spirituellste Antwort? Wer drückt die spirituelle Wahrheit am besten aus? Und keiner spricht darüber. Niemand spricht über den Druck, den er sich selbst macht, immer die spirituellste Antwort liefern zu wollen. Mit vielen Spirituellen kannst du dich deshalb überhaupt nicht mehr normal unterhalten. Und sie glauben ernsthaft, das sei ein Zeichen ihrer Spiritualität. Tatsächlich ist das lediglich ein Zeichen ihres spirituellen Verstandes, der am Rad dreht.

    Dieser spirituelle Verstand, der im Wettbewerb zu den anderen steht, ist übrigens auch der Grund, warum ich noch nie an einer spirituellen Podiumsdiskussion teilgenommen habe. Ich habe selbst mal eine veranstaltet. Seitdem nie wieder. Und ich habe damals mit den Podiumsteilnehmern hinter den Kulissen ganz normale Gespräche geführt. Diese Gespräche waren angenehm lustig und überraschend. Es waren ganz normale Unterhaltungen. Und ja, wir haben auch gelästert und zwischendurch waren wir sogar negativ. Einer der damaligen Teilnehmer ist mittlerweile der Meinung, dass er seine verschiedenen Seiten in verschiedenen Formaten präsentieren muss. In einem Format ist er spirituell, im anderen ist er lustig.

    Solange er damals mit mir ganz normal gesprochen hat, war er beides. In einem einzigen Format. Gemeinsam mit mir beim Abendessen. Er musste seine Persönlichkeit für mich nicht aufspalten. Ich konnte über seine Geschichten lachen und ich konnte mich auch reinsteigern. Und ich habe mich reingesteigert. Ich sehe das aber bis heute nicht als Mangel. Ich konnte seine Beispiele aus eigener Erfahrung einfach sehr gut nachvollziehen. Seine Geschichten haben mich genervt und erheitert. Vor allem aber war sein Humor wie für mich gemacht. Es war echter bodenständiger Humor mitten aus dem Leben. Jetzt versucht er künstlichen spirituellen Humor, bei dem es mir den Magen umdreht. Es ist nicht lustig. Es wirkt aufgesetzt und gespielt.

    Ich kann das sagen, weil ich ihn so kennengelernt habe, wie er wirklich ist. Auch er hat mich so kennengelernt, wie ich wirklich bin. Wir haben beim Abendessen nicht über Spiritualität gesprochen. Wir haben uns auch keine spirituellen Tipps gegeben und keiner von uns hatte für den anderen eine spirituelle Antwort auf seine Probleme. Es wäre auch das Dümmste gewesen, das wir tun hätten können. Doch genau das verstehen die Spirituellen nicht. Sie kritisieren mich lieber dafür, dass ich es überhaupt erwähne. Sie glauben dann, ich sei der Negative und ich würde nicht über den Dingen stehen. Als ob das mein Ziel wäre.

    Wenn es dein Ziel ist, durch Spiritualität über den Dingen zu stehen, dann musst du deine Spiritualität dringend überdenken. Bei einem derartigen Ziel kann nämlich nur Blödsinn entstehen. Im dümmsten Fall sogar Blödsinn, den du überhaupt nicht mitbekommst. Die anderen bekommen ihn schmerzhafterweise alle mit. Die meisten sind ja der Meinung, es wäre von Vorteil, in Gruppen über Spiritualität zu sprechen. Tatsächlich ist das der größte Nachteil, den du haben kannst. Denn Gruppen sind einfach nur eine Echokammer des Ego.

    In diesen Gruppen dreht der spirituelle Verstand so richtig auf. Und das nur deshalb, weil ihm keiner Einhalt gebietet. Es kann ihm auch gar niemand Einhalt gebieten, weil er sonst selbst nicht mehr mitmachen dürfte.