Die Einzigen, die dieses Zitat nicht verstehen, sind die Kommentatoren. Sie sind nämlich nicht nur der Meinung, dass ihr Ratschlag unfassbar wertvoll ist. Sie glauben auch, dass jeder jederzeit darauf reagieren sollte. Und das, obwohl Kommentare eine Funktion der Programmierung sind. Es gibt zwei wesentliche Gründe, warum Kommentatoren schlechte Ratgeber sind.
Der erste Grund ist, dass sie ihren eigenen Rat nie selbst umsetzen müssen, wenn sie ihn dir geben. Und das bedeutet nicht nur, dass sie ihren Rat jetzt gerade nicht umsetzen müssen. Es bedeutet auch, dass es sein kann, dass sie ihren eigenen Rat noch nie umgesetzt haben. Sie sind einfach nur der Meinung, es wäre ein super guter Tipp, den sie gerade für dich haben. Und diesen Ratschlag erteilen sie dir vollkommen ohne eigene Erfahrung. Oftmals sind diese Ratschläge angelesene Ratschläge. Sie haben sie irgendwo gelesen oder gehört und sie finden sie gut. Das ist schön für sie und deshalb sollten sie diese Ratschläge selbst umsetzen. Etwas, das sich für sie gut anfühlt, was sie aber selbst noch nie ausprobiert haben, ist in erster Linie für sie, nicht für die anderen.
Echte Ratschläge kann man immer nur mit eigener Erfahrung geben. Ohne diese eigene Erfahrung entsteht das, was ich die "Mainstream-Spiritualität" nenne. Das ist nicht böse gemeint, aber es sind alles Schwätzer. Nicht weil sie Schwätzer sind, sondern weil unser Verstand so drauf ist. Doch genau das will der Verstand ja nicht wahrhaben. Er will nicht erkennen, dass er die ganze Zeit labert. Und als Kommentator hat er ein wunderbares Hobby gefunden. Dieser Kommentator kommentiert übrigens die größten Meister, die besten Lehrer, noch nicht einmal Heilige sind vor ihm sicher.
Der zweite Grund, warum Kommentatoren schlechte Ratgeber sind, ist eng mit dem ersten Grund verbunden. Sie müssen ihren eigenen Rat nicht nur nicht selbst umsetzen. Sie müssen noch nicht einmal die Konsequenzen dafür tragen, was aus dieser Umsetzung des Ratschlags entsteht. Sie übernehmen also niemals die Verantwortung. Selbstverständlich geht das auch gar nicht. Doch dann stellt sich eben die Frage, inwiefern ein Kommentator Ratschläge geben sollte, die er selbst nie umgesetzt hat. Denn da er sie nie selbst umgesetzt hat, kennt er auch das Ergebnis nicht.
Ob jemand ein Kommentator und damit ein schlechter Ratgeber ist, kannst du übrigens relativ einfach herausfinden. Ein Kommentator hat nämlich recht großen Druck. Er will seinen Ratschlag dringend anbringen und deshalb hat er wenig Zeit. Er hat selbst dann wenig Zeit, wenn er sich die Zeit für dich nimmt. Er trifft sich zwar mit dir, aber er hat keine Zeit, Rückfragen zu stellen. Das liegt daran, dass der Drang der Programmierung so stark ist, dass er sich gar nicht auf dich einlassen kann. Er hat gar keine Rückfragen. Er ist sich sicher, die Situation immer zu 100 Prozent verstanden zu haben. Und er ist sich auch sicher, dass sein Ratschlag immer richtig ist. Auch bevor er deine Situation verstanden hat.
Kommentatoren und Ratgeber sind oft Menschen, die ohne Punkt und Komma sprechen. Sie halten nicht inne und sie fragen nicht nach. Ganz deutlich ausgedrückt: Sie haben gar kein Interesse am anderen. Das Einzige, was sie interessiert, ist ihr Kommentar und ihr Ratschlag. Sie wollen den anderen gar nicht verstehen. Würden sie das versuchen, würden sie das erste Mal in ihrem Leben Gefühle fühlen, auf die sie überhaupt keine Lust haben. Und alle ihre Gefühle, die sie in diesem Zusammenhang haben, lassen sich auf Ohnmacht zurückführen. Als sie selbst ohnmächtig waren, haben sie genau das gelernt: ihre Ohnmachtsgefühle durch Denken zu verdrängen.