Es gibt kaum jemanden, der versteht, was ein spiritueller Lehrer ist. Und noch weniger verstehen, wie man spiritueller Lehrer wird. Man wird es nämlich nicht aus sich selbst heraus. Ein spiritueller Lehrer gibt sich diese Rolle nicht selbst. Es ist eine Rolle, die du ihm gibst, indem du ihm erlaubst, dich auf dich selbst zurückzuwerfen. Der spirituelle Lehrer braucht dazu deine Erlaubnis und deine Offenheit. Und obwohl es möglich ist, sich die Rolle eines spirituellen Lehrers selbst zu geben und selbst zuzuschreiben, wird dir die Rolle eines echten spirituellen Lehrers immer von anderen gegeben.
Eine Karriere in der spirituellen Szene anzustreben ist zwar möglich und auch umsetzbar, aber gleichzeitig auch absolut lächerlich. Deshalb kannst du dort Menschen beobachten, die ihre Rollen und Titel schneller wechseln als ihre Unterhosen. Sie sind erst Coach, dann Visionärin und plötzlich sind sie Priesterin. Das ist so absurd, dass jedem schlecht werden müsste, der das beobachtet. Doch die Masse steht auf diese Art des Marketings und der Selbstinszenierung. Und das einfach nur deshalb, weil es sich die meisten für sich selbst wünschen. Sie hätten gerne eine derartige Karriere als Spirituelle. Deshalb bewundern sie jene, die das haben, was sie gerne hätten.
Es ist das alte bescheuerte Spiel des Ego: außerhalb von dir nach Erlösung suchen. Dabei ist es in dir viel interessanter. Spiritueller Lehrer sein zu wollen, ist eine der größten spirituellen Fallen. Dich so zu nennen, ohne die Rolle von anderen zu bekommen, ist an Ignoranz kaum zu überbieten. Es bedeutet nämlich, dass du es sein willst. Und wenn eines nicht zu einem spirituellen Lehrer passt, dann der Wunsch des Ego, spiritueller Lehrer zu sein. Doch kaum jemand hat die Geduld, Entwicklungen einfach abzuwarten. Niemand will es sich einfach entwickeln lassen. Da gibt man sich lieber auch Titel, die überhaupt nicht stimmen.
Ein Coach arbeitet zum Beispiel eins zu eins mit Menschen. Ein Mensch, der nur auf einer Bühne steht und so tut, als wäre er Coach, ist keiner. Er nennt sich nur so. Tatsächlich ist er Redner oder Schauspieler. Die Berufsbezeichnung leitet sich normalerweise von der Tätigkeit ab, nicht davon, was man vorgibt zu sein. Doch da wir in der Manifestationsszene bei "Wünsch dir was" beziehungsweise bei "Lass dein Ego wünschen, was es will" sind, schreiben sich die Menschen ihre Rollen einfach selbst zu.
Und weil das meistens Schnellschüsse sind, kannst du sehr gut beobachten, wie schnell sich Titel und Rollen verändern. Dadurch, dass sie sich ihre Rolle selbst geben, haben sie überhaupt kein Durchhaltevermögen. Denn genau das würden sie brauchen, weil ihnen die Rolle nicht von anderen gegeben wird. Sie müssten diese Rolle selbst aufrecht halten. Und das ist super anstrengend. Eine Rolle, die dir von anderen gegeben wird, musst du nicht aufrechterhalten. Du kannst sie sogar verleugnen und wirst sie trotzdem nicht los.
Eine Rolle, die du nur spielst, weil du denkst, es wäre dein Wunsch, hat keinerlei Substanz. Und eine Rolle, die du selbst planst, ist zum Scheitern verurteilt. Das muss noch nicht einmal ein offensichtliches öffentliches Scheitern sein. Innerlich bist du schon gescheitert, bevor du damit begonnen hast. Und das ist gut so. Denn so wirst du zu dem zurückgeführt und auf das zurückgeworfen, worum es tatsächlich geht. Und das ist nicht deine Rolle.