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    4.3.2026AQ 3022
    »Ehrliche Beobachtung kommt vor dem ehrlichen Mitteilen.«
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    Sich ehrlich mitzuteilen klingt sehr verlockend. Doch bevor du ehrlich beobachtet hast, kannst du dich gar nicht ehrlich mitteilen. Und falls du bei der Beobachtung einen Fehler machst, den viele machen, kannst du dich niemals ehrlich mitteilen. Und selbst wenn du diesen Fehler nicht machst, dauert es Jahre der ehrlichen Beobachtung, bis du dich ehrlich mitteilen kannst.

    Ehrliches Mitteilen ist der Versuch einer Abkürzung. Es ist voreilig. Es setzt Jahre der Introspektion voraus. Doch vorher darfst du einen Fehler nicht machen. Die meisten Menschen, die beobachten, beobachten andere. Und selbst wenn sie sich selbst beobachten, beobachten sie sich so, wie sie andere beobachten. Und sie beobachten andere, indem sie ihre Wahrnehmung so schnell wie möglich mit Gedanken überdecken.

    Wir nennen das zwar Beobachtung, aber es ist keine. Es ist der gleiche Fehler, den wir vorher machen, unter dem Deckmantel der Spiritualität. Bevor du dich ehrlich mitteilen kannst, musst du dich ehrlich beobachten können. Und das geht nur, wenn du automatisierte Gedanken, Gefühle und Handlungen unterbrechen oder sogar komplett anhalten kannst. Wenn du das nicht kannst, brauchst du mit dem ehrlichen Mitteilen gar nicht erst beginnen.

    Falls du es schon einmal versucht hast, bin ich mir sicher, dass du Folgendes beobachten konntest: Wenn du versuchst, dich ehrlich mitzuteilen, wird das ganz schnell zu einem Mindfuck. Dein Verstand und auch der Verstand der anderen dreht so richtig auf. Jetzt weißt du auch, warum ehrliches Mitteilen so gut ankommt. Der Verstand liebt es und er ist nicht bereit, die Klappe zu halten. Wenn du dich ehrlich mitteilen darfst, ist seine Chance gekommen. Endlich darf er alles sagen.

    Ich weiß, dass es beim ehrlichen Mitteilen Regeln gibt, die das unterbinden sollen. Und wenn du dich selbst gut beobachten kannst und wenn du in der Lage bist, deine Gedanken, Gefühle und Handlungen anzuhalten, dann gelingt dir ehrliches Mitteilen auch. Die Regeln sorgen aber nicht dafür. Was dafür sorgt, ist deine Fähigkeit, dich selbst ehrlich zu beobachten. Die Regeln verhindern nicht die grundlegenden Mechanismen des Verstandes.

    Das ist übrigens der gleiche Grund, warum Spiritualität unter Freunden, Verwandten, Bekannten, Partnern und so weiter nicht funktioniert. Genauso wenig funktioniert Spiritualität am Arbeitsplatz mit Kollegen, weil es nicht um die anderen geht. Es geht nur um dich. Und wenn du wirklich spirituell bist, dann wird Spiritualität mit anderen überflüssig. Dein Drang, andere zu belehren, aufzuklären, auf etwas hinzuweisen, fällt durch echte Spiritualität komplett weg.

    Wenn du spirituell lebst, weil du spirituell bist, willst du dich noch nicht einmal mehr ehrlich mitteilen.

    Ehrlichkeit
    Beobachtung
    Mitteilen