Noch präziser ausgedrückt: Handlungsfähigkeit setzt Erkenntnis voraus. Es gibt Menschen, die sind der Meinung, sie seien handlungsunfähig. Tatsächlich sind sie erkenntnisunfähig. Das ist kein Vorwurf, sondern tiefes Erkennen. Und wenn du willst, nehme ich dich heute mit in deinen Kaninchenbau.
Viele Menschen sind der Meinung, sie hätten eine Blockade. Sie sind sogar davon überzeugt, weil sie in den entscheidenden Momenten nicht handeln können. Sie denken, sie müssten handeln, aber sie handeln nicht. Sie fühlen sich wie erstarrt. Und aufgrund dieser Starre haben sie den Eindruck, nicht handeln zu können. Oder sie haben viele Gedanken und diese Gedanken halten sie davon ab, irgendetwas zu tun, weil sie erst einmal abwägen und hin und her denken müssen, bevor sie irgendetwas tun können. Und da Denken nie aufhört, können sie auch nicht handeln.
Einige können noch nicht einmal etwas sagen. Das Wort "Nein" kommt ihnen einfach nicht über die Lippen. Natürlich ist das alles ein Resultat von Trauma. Doch die entscheidende Frage, die sich stellt, ist: Wo sitzt das? Wie funktioniert diese Blockade? Diese Blockade funktioniert so: Du lässt Erkenntnis nicht zu, weil sie zu schmerzhaft wäre. Solange der Schmerz so groß ist und solange du ihn nicht fühlen kannst oder nicht fühlen willst, wirst du handlungsunfähig bleiben. Denn erst wenn du den Schmerz wahrnehmen kannst und auch tatsächlich wahrnimmst, beginnt Erkenntnis.
Bitte mach dir damit auf gar keinen Fall Druck. Denn mit Druck förderst du die Starre. Es dauert Jahre und Jahrzehnte, bis Menschen bereit und in der Lage sind, ihren Schmerz zu fühlen. Das ist nicht pessimistisch, das ist realistisch. Sobald du erkenntnisfähig bist, ist deine Handlungsfähigkeit nur eine Folgeerscheinung. Du musst dazu gar nichts mehr tun. Du musst dann noch nicht einmal mehr aus der Wut heraus reagieren, weil du auch die Trauer gefühlt hast, die sich hinter der Wut verbirgt.
Wenn du diese Gefühle in deinem Körper wahrnimmst, transformieren sie sich in ihrer eigenen Geschwindigkeit von ganz alleine. Du musst dann nichts mehr unternehmen. Klarheit und Handlungsfähigkeit kommen Schritt für Schritt von selbst. Die Handlung drängt sich auch nicht auf. Sie geschieht nicht im Affekt und auch nicht im Widerstand. Sie ist eine logische Folge, eine Konsequenz deiner Erkenntnis. Einer Erkenntnis, die frei von Gefühlen und Verurteilungen ist.
Wenn du deine Gefühle verarbeitest, taucht Erkenntnis auf. Das muss nicht schnell gehen. Es braucht Wiederholung. Ein Schritt nach dem anderen. Immer weniger Druck und immer weniger Stress. Ohne Druck und ohne Stress ist Erkenntnis einfach hier.
Mach dir aber genau damit keinen Stress. Bis es so weit ist und sich verändert, bleibst du einfach handlungsunfähig und fühlst dieses Gefühl.