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    24.2.2026AQ 3014
    »Du siehst etwas bei anderen. Behalte es für dich.«
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    Der Verstand möchte voreilig über jede Erkenntnis berichten, die du über andere gewinnst. Er möchte der Welt zeigen, wie schlau er ist und lebt das mit Vorliebe an anderen aus. Ob das in diesem Moment relevant, geschweige denn gefragt ist, interessiert ihn überhaupt nicht. Er will es so schnell wie möglich loswerden. Und selbst dabei verhält es sich wie sonst auch. Der einzige Grund, warum er es sofort loswerden will, ist, weil er die Gefühle nicht fühlen kann, die auftreten, wenn er es nicht sofort teilt.

    Das Gefühl, etwas Bedeutendes, Wichtiges für dich zu behalten, kann ziemlich unangenehm sein. Doch ob etwas wirklich wichtig und bedeutend ist, kannst du nur herausfinden, wenn du bereit und in der Lage bist, dieses Gefühl wahrzunehmen. Ohne diese Fähigkeit kannst du es überhaupt nicht einschätzen. Und mit dieser Fähigkeit wirst du herausfinden, dass die meisten Dinge gar nicht so wichtig sind.

    Der Verstand kreiert daraus wieder einmal ein Extremszenario und sagt dir, dass du dann ja nie wieder irgendetwas sagen darfst. Ich kann dich beruhigen, das wird nicht der Fall sein. Du wirst weiterhin etwas sagen und du wirst wieder etwas sagen. Es wird nur anders sein. Doch zunächst musst du Schweigen üben. Nicht den ganzen Tag und nicht für immer, aber immer wieder einmal. Das musst du so lange machen, bis es dir leichtfällt. Vorher bist du nicht so weit, wieder zu sprechen.

    Außerdem wirst du dabei eine Erfahrung machen, die du so gar nicht eingeplant hattest. Andere werden dich für dein Schweigen beurteilen und bei einigen wird das sogar als passiv aggressiv rüberkommen. Vollkommen unabhängig davon, ob du es wirklich bist oder nicht. Das hat dann mit ihnen zu tun und das ist gleich die nächste Möglichkeit zu schweigen. Denn auch das will niemand hören, der dich nicht danach gefragt hat. Je mehr du dieses Schweigen praktizierst, desto mehr realisierst du, dass das, was du bei anderen siehst, sehr viel mit dir zu tun hat. Du wirst durch diese kleine Übung immer wieder auf dich selbst zurückgeworfen.

    Wenn du dich derart veränderst, wird es immer andere geben, die sich über diese Veränderung beschweren. Und das sorgt dann dafür, dass du schon wieder üben kannst. Wenn dich jemand etwas fragt, kannst du selbstverständlich antworten. Du kannst es dir aber auch überlegen. Wenn du gefragt wirst, ist es in der Regel nicht übergriffig, wenn du antwortest. Wenn du ungefragt Ratschläge verteilst, meistens schon.

    Der spirituelle Verstand denkt immer, er müsse sich verändern. Er denkt, dass es bei solchen Übungen um eine Verhaltensveränderung geht. Und deshalb versucht er das, was das Ergebnis sein könnte, künstlich vorzugeben. Und dann denkt er sich zum Beispiel: "Dann schweige ich für immer." Solche Übungen sind aber nicht dafür da, dass du dein Verhalten veränderst. Sie ermöglichen dir, dich zu beobachten. Und das verändert nichts in deinem Verhalten, sondern an Stellen, die du jetzt noch gar nicht kennst.

    Lass ihn also ruhig reden. Er hat keine Ahnung, wovon er spricht.

    Erkenntnis
    für sich behalten
    Schweigen
    Ratschläge
    übergriffig