Dieser Aussage würden die meisten zustimmen. Doch warum fällt es ihnen dann nicht auf? Warum wird reproduzierte Spiritualität gefeiert und echte Spiritualität nicht? Die Antwort dafür ist ganz einfach: Reproduzierte Spiritualität hält dich auf der Unterhaltungsebene. Echte Spiritualität entlarvt genau diese Unterhaltung als Methode, um deinen Schmerz zu verdrängen.
Es gibt Künstler, die lernen das auswendig, was sie auf der Bühne vortragen. Während ich das nachvollziehen kann, muss ein echter Künstler aus meiner Sicht mehr können. Ein Komiker müsste auch spontan unterhalten können. Ein Musiker ebenfalls. Ein Musiker müsste spontan musizieren können. Ein Redner müsste spontan reden können. Wir haben uns bisher von auswendig gelernten Programmen blenden lassen und wir erwarten von den Künstlern sogar den immer gleichen Auftritt.
Ein echter Künstler ist spontan. Und genau so muss ein spiritueller Lehrer auch sein. Doch was machen viele in Wahrheit? Entweder wiederholen sie sich, oder sie lernen tatsächlich auswendig. Als Tobias Beck einmal voller Stolz erklärt hat, dass er bis zu sechs Monate an einer Rede oder einem Auftritt feilt, da hat er sich vollkommen, ohne es zu ahnen, komplett verraten. Er ist in Wahrheit gar kein Redner. Er kann überhaupt keine gute Rede spontan halten. Er kann vielleicht gut schreiben und gut auswendig lernen. Und wahrscheinlich ist er ein guter Schauspieler. Doch ein Redner ist er nicht.
Wenn sich diejenigen, die auf den großen Bühnen stehen und dir sagen, wie du deinen Beruf wählen sollst, in ihrer eigenen Berufswahl irren, dann ist das ein wirklich großes Schlamassel. Denn dann müssen sie dir ihren eigenen Erfolg vorspielen und vortäuschen. Und genau das tun sie auch. Das kannst du ganz einfach feststellen, wenn du sie beobachtest.
Sie versuchen nämlich mit relativ großer Anstrengung, jemanden und etwas darzustellen. Sie sind auf der Bühne nicht sie selbst. Sie versuchen, auf der Bühne ein Bild in ihrem Kopf zu repräsentieren. Sie versuchen, sich so darzustellen, wie sie glauben, dass es richtig sei. Deshalb entstehen ihre Antworten auch nicht im Moment. Sie greifen auf das zurück, was sie auswendig gelernt haben. Und sie haben es auswendig gelernt, um zu gefallen.
Denn genau so hat es früher in der Schule funktioniert. Du wurdest gelobt, wenn du etwas reproduzieren konntest. Deshalb stehen sie auf der Bühne mit ihrem auswendig gelernten Programm und hoffen auf deinen Applaus. Applaus, der sie genauso von ihrem Schmerz ablenkt wie dich. Denn nur dafür reproduzieren sie. Sie wollen dich und sich selbst von ihrem Schmerz ablenken. Und zwar von dem Schmerz, der auftaucht, wenn sie nicht abliefern, wenn sie nichts zu sagen haben, wenn sie die Antwort nicht kennen. Und wenn sie nicht wissen, was die anderen jetzt gerade über sie denken.
Das ist der Horror Vacui. Die Angst vor der Leere. Die Angst vor der eigenen Stille und die Angst vor der Stille der anderen. Und damit diese Angst nicht aufkommt, reproduzieren sie etwas, das man beklatschen kann.