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    29.1.2026AQ 2988
    »Trauma ist chronisch.«
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    Trauma ist chronisch und zwar sowohl die Entstehung von Trauma als auch die Auswirkungen von Trauma sind chronisch. Viele Menschen glauben, dass die Entstehung von Trauma ein einmaliges Ereignis sei. Das ist möglich, aber nicht die Regel. Denn Menschen, die dich als Kind so behandeln, dass du traumatisiert wirst, behandeln dich immer so.

    Es ist selten, dass dich deine Mutter ein einziges Mal anschreit und dann nie wieder. Es ist auch selten, dass dich dein Vater ein einziges Mal schlägt und dann nie wieder. Das Verhalten deiner Eltern wurde ebenfalls in deren Kindheit geprägt. Deshalb ist es programmiert. Und aus dieser Programmierung bricht kaum jemand einfach und nebenbei aus.

    Es braucht ein hohes Maß an Reflexion, um das nicht nur zu verstehen, sondern auch bei sich selbst zu erkennen. Und dann braucht es den Willen und den Mut zur Deprogrammierung des Ego. Für die meisten Eltern beginnt diese Phase erst, nachdem die Kinder bereits erwachsen sind. Und ganz oft beginnt diese Phase mit der Geburt der Enkelkinder. Vorher waren sie in der Tretmühle gefangen und sie haben keinen Ausweg gefunden.

    Viele Menschen sind der Meinung, dass Trauma durch extreme Ereignisse entsteht. Das ist möglich, aber es entsteht genauso durch chronische Ereignisse, also durch die konstante Wiederholung von bestimmten Verhaltensmustern, vor allem der Eltern. Es braucht weder ein einziges noch ein extremes Ereignis, damit Trauma ausgelöst wird. Und natürlich gibt es verschiedene Grade der Intensität sowohl des Auslösers als auch des dadurch abgespeicherten Traumas.

    Meine Beispiele mit Schreien und Schläge sind irgendwo im mittleren Bereich von Trauma angesiedelt. Es gibt natürlich schlimmeres Verhalten und es gibt auch weniger schlimmes Verhalten, das dann aber trotzdem zu Trauma führt.

    Und auch die Auswirkung von Trauma bei dir ist chronisch, also andauernd und anhaltend. Auch bei der Auswirkung von Trauma denken viele Menschen, dass es nur einen ganz bestimmten Trigger gibt und nur ein ganz bestimmtes Verhalten, das dann dadurch ausgelöst wird. Auch das ist natürlich möglich, aber nicht die Regel.

    Für die meisten ist Trauma subtil und es erstreckt sich über viele Lebensbereiche, Situationen und Verhaltensweisen. Subtiles chronisches Trauma kann jahrelang unterdrückt werden. Es kommt dann erst in bestimmten Situationen oder mit bestimmten Menschen zum Vorschein. Oft wird es erst durch den Partner oder eigene Kinder ausgelöst. Vorher kann es natürlich auch ausgelöst worden sein, aber da war es noch leichter, es zu unterdrücken.

    Viele Menschen und Situationen kommen nur deshalb in unser Leben. Sie sind dazu da, damit wir unser Trauma erkennen und bearbeiten können. Wir halten stattdessen die Situationen und Menschen für bearbeitenswert. Wir glauben, sie müssten sich ändern. Deshalb sehen wir überall Egoisten und Narzissten. Über die können wir uns dann wunderbar aufregen und müssen uns so nicht mit unserem eigenen Trauma beschäftigen.

    Die Beschäftigung und die Bearbeitung unseres eigenen Traumas ist für uns das Härteste, was es gibt. Wenn du mir nicht glaubst, brauchst du einfach mal nachschauen, wie sehr sich dein Ego dagegen wehrt, dass der andere nicht schuld ist. Du kannst untersuchen, wie schnell du dich von deinem Partner trennen willst und du kannst ehrlich zu dir sein, dass du zumindest schon einmal versucht warst zu denken, dass bei deinen Kindern irgendetwas nicht stimmt.

    Das heißt nicht, dass andere nicht an sich arbeiten dürfen, aber es bedeutet, dass du bei dir anfängst. Wenn du dann erkennst, wie chronisch dein Trauma ist, dann kannst du damit beginnen, es anderen auch zuzugestehen. Und dann wird dir auch klar, dass eine Veränderung über Nacht kaum möglich ist und nicht eintreten wird. Du erkennst es nicht für und beim anderen, sondern du erkennst es bei dir.

    Und jetzt, wo du dich so gut kennst, kennst du auch den anderen. Und damit erkennst du auch, dass er genau so viel Zeit braucht wie du.

    Trauma
    Kind
    Eltern
    Programmierung
    Partner
    Selbstreflexion