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    14.1.2026AQ 2973
    »Wer vom Zwang profitiert und von Zwang lebt, erkennt den Zwang nicht.«
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    Menschen, die mit Zwang arbeiten, werden oft als böse bezeichnet. Tatsächlich sind sie tief unbewusst. Die Auswirkungen dieser Unbewusstheit können böse wirken und böse erscheinen und natürlich auch böse sein. Der Kern davon ist aber nicht der Wille und der Wunsch, böse zu sein. Der Grund dafür ist die eigene Unfähigkeit, sich selbst zu beobachten und zu reflektieren, was man tut.

    Es gibt einen Spruch, der heißt: "Man beißt nicht die Hand, die einen füttert." Und während die meisten das personalisiert interpretieren, muss man es in allererster Linie psychologisch sehen. Natürlich kann man es auch auf Menschen beziehen, aber das ist in der Regel zu kurz gegriffen. Die meisten sind nicht von einzelnen Menschen abhängig, sondern von der gefühlten Stimmung, vor allem aber natürlich von der kollektiv gelebten Art und Weise. Wenn es alle so machen oder fast alle, dann fällt es uns schwer, uns das anders vorzustellen. Alleine eine andere Vorstellung zu haben, ist dann für uns schon ein Problem. Diese Vorstellung dann auch noch zu äußern, ist für die meisten eine Unmöglichkeit. Und die wenigen, die das tun, die wissen ganz genau, was ihnen blüht.

    Das stimmt zwar nicht immer, weil das, wovor wir uns fürchten, nicht zwangsweise eintritt, aber alleine die Möglichkeit, dass es eintreten könnte, ist immens herausfordernd. Da wir alle in Systeme hineingezwungen wurden, die nicht unserer natürlichen Entfaltung entsprechen, tragen wir alle diese Ängste mit uns. Und je nach Charakter sind wir Mitläufer, machen ein bisschen aktiver mit oder sind die Anführer. Viele glauben, dass die Anführer alles geplant und durchdacht haben. Sie unterstellen ihnen Absicht. Tatsächlich ist es in den meisten Fällen Psychologie in Aktion. Es sind ganz einfache Ängste, die wirken. Und ein bestimmter Menschentyp verdrängt die Angst vor dem System dadurch, dass er die Führung übernimmt.

    Ich habe ein bekanntes Beispiel für dich. Du hast vielleicht schon einmal von Andrew Tate gehört. Es ist egal, ob du für ihn oder gegen ihn oder neutral bist. Mir geht es darum, wie er sich gibt. Dieser Typ übernimmt die Führung. Er ist dominant. Er und seine Community halten das für männlich. Das ist falsch. Denn er verdrängt damit sein Trauma und dass er traumatisiert ist, ist für jeden fühlenden Menschen offensichtlich. Wenn ihn sein Vater nicht geschlagen hat, dann hat er ihn zumindest sehr hart rangenommen. Er hatte hohe Ansprüche an seinen Sohn und er hat ihn damit unter Druck gesetzt.

    Andrew Tate selbst sagt, dass er seinen Vater ehrt. Das ist eine nette Umschreibung für ein Stockholmsyndrom. Männer steigen nicht in den Ring, um sich gegenseitig die Fresse zu polieren, wenn sie keine schwierige Kindheit hatten. Andrew Tate war Kickboxer. Das tut weh. Er hat den Schmerz seiner Kindheit wiederholt. Und da er die Disziplin, die sein Vater von ihm gefordert hat, auch als Erwachsener weitergeführt hat, wurde er fünffacher Weltmeister und Multimillionär. Er hat vom Zwang scheinbar profitiert. Deshalb ist Disziplin für ihn alles und Ausdruck seiner Männlichkeit.

    Jeder, der vom Zwang profitiert, kann den Zwang nicht erkennen und verteidigt ihn nicht nur, sondern verharmlost ihn. Und genau so verhält es sich mit jedem, der sein eigenes Trauma mit irgendeiner zwanghaften Handlung unterdrückt. Sie können es alle nicht erkennen und von außen ist es immer leichter zu sehen als von innen.