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    3.1.2026AQ 2962
    »Stress schützt dich vor der unangenehmen Wahrheit.«
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    Du bist nicht gestresst, weil es notwendig ist. Du stresst dich, um dich abzulenken. Der Stress hält dich von der unangenehmen Wahrheit ab. Und die Wahrheit ist, dass du ohne Stress Gefühle fühlen würdest, auf die du nicht vorbereitet bist. Ohne Stress wärst du konfrontiert mit dir selbst. Du wärst mit dem konfrontiert, was du dein Leben lang verdrängt hast. Darauf ist niemand vorbereitet. Denn das ist nicht ein bestimmtes Gefühl, das du verdrängt hast. Das sind alle Gefühle.

    Wenn es Menschen nicht mehr gelingt, den Stress aufrechtzuerhalten, um die Gefühle zu verdrängen, dann nennen wir das "Midlife Crisis" oder auch "Burnout". Das sind also tatsächlich Erwachensprozesse. Und die werden verhindert, indem man die Menschen so schnell wie möglich wieder gesellschaftsfähig, vor allem aber arbeitsfähig macht. Sobald die Menschen wieder arbeitsfähig sind, stressen sie sich auch wieder und der Stress verdrängt alle unangenehmen Gefühle.

    Die Eingliederungsmaßnahmen sind also Maßnahmen, um die Menschen vor dem Erwachen zu schützen. Kaum jemand möchte ihnen die Zeit geben, um sich einfach mal ein paar Monate oder Jahre um sich selbst zu kümmern. Das ist gesellschaftlich nicht gewollt. So sozial sind wir dann doch nicht. Seltsamerweise sind wir aber nur dadurch in diese Situation gekommen, dass wir sozial waren. Wir haben uns nämlich an die Gesellschaft angepasst. Das ist soziales Verhalten. Zumindest wird es so bezeichnet.

    Das ist der Mechanismus unserer Sozialisierung. Wir haben uns an ein krankes System angepasst. Und deshalb fühlt sich dieses kranke System natürlich nicht zuständig, uns den Ausstieg zu finanzieren. Denn anschließend wären wir nicht mehr verfügbar. Außerdem würden wir anderen helfen, ebenfalls aus dem System auszusteigen. Es ist zwar eine harte Schule, dass das System dafür sorgt, uns zu integrieren und dafür auch alle finanziellen Mittel aufbringt, um dann noch einmal alle finanziellen Mittel aufzubringen, damit wir das System nicht verlassen, aber es ist auch eine hilfreiche Schule. Es ist das, was du brauchst, um auf eigenen Beinen zu stehen.

    Und das meine ich nicht finanziell. Ich meine damit deine Klarheit, wofür du stehst. Das muss kein anderer wissen. Es genügt, wenn es für dich klar ist. Alles andere sind mitunter harte Begleiterscheinungen. Die sind nicht angenehm. Die möchte auch niemand erleben. Und trotzdem sind sie hilfreich. Denn sie machen dich auf deine Art und Weise unabhängig. Nicht von allem und vielleicht noch nicht einmal von jedem Aspekt des Systems. Aber du wirst flexibler und du verurteilst dich nicht mehr dafür, dass du vielleicht noch einen Aspekt des Systems nutzt.

    Natürlich funktionieren natürliche Systeme vollkommen anders. Sie sind frei und freiwillig. Sie zwängen dich in kein Korsett, das dir viel zu eng ist. Aber sie bieten dir auch keine soziale Hängematte. Sie sind nämlich frei und deshalb höchst unsicher. Diese Unsicherheit will niemand fühlen. Deshalb kann man uns so leicht Versicherungen verkaufen. Jetzt weißt du aber auch, wie du den Stress los wirst. Lass dich auf die Unsicherheit ein. Und im besten Fall lass dich in die Unsicherheit hineinfallen.

    Die Unsicherheit ist die unangenehmste Wahrheit, vor der du dich mit Stress schützt.