Der Verstand versucht Spiritualität zu imitieren. Das funktioniert nur über Methoden, Regeln und Rituale. Denn das ist der Verstand gewöhnt. Der Verstand kennt "echt sein" nicht. Aber er kennt Imitation. Und deshalb versucht er, andere nachzumachen. Das kann äußerlich funktionieren, innerlich ist es unmöglich. Und jeder, der durch echte, sprich nicht gespielte Spiritualität einen Einblick in sich selbst hat, kann gespielte Spiritualität bei anderen ganz leicht wahrnehmen. Er kennt nämlich seine eigene gespielte Spiritualität, weil er sich selbst dabei erwischt hat. Entweder beim Gedanken daran oder bei der Planung oder vielleicht sogar während der Ausführung.
Wenn wir Spiritualität spielen, dann nur deshalb, weil wir einen Eindruck erzeugen möchten. Wir wollen so wirken, als wären wir spirituell. Wir wollen, dass uns andere auf eine bestimmte Art und Weise wahrnehmen. Wenn du etwas spielst, dann versuchst du, etwas zu imitieren, das du nur aus der Beobachtung von außen kennst. Und selbst wenn du es aus eigener Erfahrung kennst, die Erfahrung aber jetzt gerade nicht hier ist, so versuchst du trotzdem etwas vorzutäuschen.
Man könnte das als toxische Spiritualität bezeichnen, aber es ist ja gar nicht spirituell. Es ist Imitation. Ganz egal, ob du einen früheren Zustand von dir selbst oder einen Zustand von anderen imitieren möchtest. Es ist immer der Versuch, etwas herzustellen, was nicht hier ist. Und dieser Versuch hat immer nur einen Grund. Du möchtest immer verdrängen, was in dir ist. Manchmal auch über den Umweg, wie dich andere sehen.
Es geht dabei immer darum, wie du dich tatsächlich fühlst. Falls du dich fühlst. Denn die meisten fühlen sich nicht, obwohl sie behaupten, sie würden so viel fühlen. Tatsächlich denken sie viel. Viel zu viel. Sie denken zum Beispiel darüber nach, wie sie für andere erscheinen, wie andere sie sehen, welches Image sie haben. Außerdem interpretieren viele in Spiritualität eine Überlegenheit. Der Verstand denkt, du seist dann etwas Besseres.
Dabei ist der Unterschied so brachial wie einfach: Wenn du spirituell bist, denkst du nicht mehr darüber nach, ob du besser oder schlechter bist. Du weißt aus eigener Erfahrung, dass es dir nichts mehr bedeutet. Deshalb weißt du auch, dass es dir nichts bringt, wenn du so tust, als wärst du spirituell.
Gespielte Spiritualität entspricht also nicht nur niemals deiner erlebten Realität. Sie bringt dir auch nichts. Außer eine weitere Runde im Kreislauf deines Verstandes.