Wenn die Spiris so tun, als wüssten sie überhaupt nicht, wovon ich spreche, dann ist das keine Spiritualität, sondern Verdrängung. Und zwar selbst dann, wenn es für sie nicht mehr so ist. Sie kennen es alle von früher. So zu tun, als wüssten sie nicht, wovon ich spreche, macht sie nicht zum Erleuchteten, sondern zum Psycho. Denn der Versuch, erleuchtet zu wirken, wirkt immer künstlich.
Jede Strömung hat diese Menschen, die so tun, als wüssten sie gar nicht mehr, dass es einmal anders war. Das ist nicht der Wegfall des Ego. Das ist eine Strategie des Ego. Die meisten Veganer können sich gar nicht mehr daran erinnern, dass sie einmal Gelüste nach Fleisch hatten. Und genau genommen hat es ihnen noch nie geschmeckt.
Diesen Mechanismus des Ego zu erkennen, ist nicht negativ. Es ist spirituelle Erkenntnis. Denn das kannst du kaum in anderen erkennen, wenn du es in dir nicht auch kennst. Der Versuch, auf eine bestimmte Art und Weise zu wirken, wirkt immer künstlich. Eine bestimmte Wirkung erzielen zu wollen, ist ein Versuch des Ego, der zum Scheitern verurteilt ist. Zumindest bei denen, die in der Lage sind, sich selbst zu fühlen.
Es gibt in der Spiritualität kaum etwas Ekligeres als gespielte Erleuchtung. Ich habe ein kleines Beispiel für dich. Unter mein Zitat "Wenn du deinen spirituellen Lehrer findest, bleibt alles so schwierig, wie es ist", hat einer kommentiert: "Schwierig ist es ja nur für das Ego." Als hätte er keine Schwierigkeiten mehr! Und falls das stimmt, dass er keine Schwierigkeiten mehr hat, dann tut er so, als wüsste er nicht, was gemeint ist. Das ist geheuchelte gespielte Spiritualität. Jemand, der wirklich keine Schwierigkeiten mehr hat, muss das nicht vor sich hertragen und deshalb so etwas nicht kommentieren.
Ich habe noch Schwierigkeiten, zum Beispiel mit solchen Kommentaren. Doch das wollen sie alle nicht zugeben. Sie wollen für dich attraktiv erscheinen und sie glauben ernsthaft, diese Attraktivität läge darin, perfekt zu erscheinen. Auch wenn mir immer wieder das Gegenteil unterstellt wird, ich möchte weder anziehend noch abstoßend wirken, sondern echt. Ich möchte mich dir genauso wenig unterordnen, wie ich mich über dich erheben möchte. Denn dann werde ich von dir abhängig und du von mir. Für jemanden, der Freiheit lehrt, passt so etwas überhaupt nicht.
Um Freiheit lehren zu können, muss ich sie nicht vollkommen realisiert haben, aber ich muss genügend Versuche in Richtung Freiheit unternommen haben, um von diesen Versuchen berichten zu können. Deshalb bringt es manchen Menschen auch gar nichts, wenn sie eine Erwachens- oder Erleuchtungsserfahrung haben, denn sie haben noch keine Übung in Freiheit. Und wenn sie dann zurückfallen, dann wünschen sie sich sehnlichst diese Erfahrung zurück und wissen nicht, wie sie mit ihrer jetzigen Situation umgehen sollen.
Ich habe das viele Jahre überhaupt nicht verstanden. Ich konnte nicht verstehen, warum Menschen zu mir kommen, die eine Einheitserfahrung hatten. Erst nach vielen Jahren der Irritation habe ich realisiert, dass ihnen die Übung fehlt, die praktische Übung im echten Leben. Und dabei hilft dir ein Lehrer, der so tut, als wäre er perfekt und als wüsste er überhaupt nicht, wovon du sprichst, überhaupt nicht weiter.
Ein Lehrer, der seine eigene Vergangenheit leugnet, ist den Sessel nicht wert, in den er furzt.