Nur das Finden deines Lehrers ist einfach, klar und eindeutig. Was dann kommt, ist alles andere als ein Spaziergang. Und das liegt nicht am Lehrer. Das liegt an dem, was der Lehrer irritiert. Und alles, was irritiert werden kann, liegt in dir.
Die meisten Menschen gehen mit einer vollkommen falschen Vorstellung in die Spiritualität. Sie sind überzeugt davon, Spiritualität könne ihre Probleme lösen. Es gibt auch verrückte spirituelle Coaches und spirituelle Lehrer, die genau das anbieten. Sie bieten das nicht an, weil es ihre gelebte Wahrheit ist. Nur weil sie behaupten, Probleme zu lösen, interessierst du dich für sie. Dabei realisierst du natürlich nicht, dass die Lösung von Problemen die alte Flucht ist. Die Flucht vor dem, was jetzt hier ist. Die Flucht vor diesem Moment. Und weil wir so gerne fliehen, wird das auch weiterhin angeboten.
Ein spiritueller Lehrer ist nicht dafür da, deine Probleme zu lösen. Noch nicht einmal du bist dafür da, deine Probleme zu lösen. Jeder, der das Gegenteil behauptet, hat Spiritualität nie erfahren. Er ist vielleicht überzeugt von irgendetwas und er würde es dir gerne verkaufen, aber Spiritualität ist keine Überzeugung. Spiritualität ist etwas Gelebtes und ohne das zu leben, kannst du es zwar verkaufen, aber nicht verkörpern.
Wenn du deinen spirituellen Lehrer triffst, dann verstehst du seine Worte weder als Angriff noch als Vorwurf — selbst dann nicht, wenn er dich kritisiert. Viele versuchen, gegenüber allen so zu tun, als würden sie sich nicht mehr kritisiert fühlen. Das ist weder realistisch noch lebensnah. Beim spirituellen Lehrer sehe ich es als Voraussetzung oder zumindest als Ziel.
Bei meinem Lehrer war es für mich automatisch so. Deshalb ist er mein Lehrer. Ich habe das nicht gemacht und es ist mir ohne mein eigenes Zutun passiert. Das ist für mich pure Gnade und kann nicht gelehrt werden. Mein Lehrer konnte sich sogar lustig machen über mich. Ich war und bin ihm nicht böse. Es ist mir überhaupt nicht möglich, ihm gegenüber angepisst oder sauer zu sein, denn die Energie hinter seinen Worten ist nicht persönlich.
Diesen Unterschied zu erkennen und wahrzunehmen ist der Eintritt in die Spiritualität. Das Ego verteidigt sich nicht mehr. Das ist der Beginn.