Selbst dann, wenn es möglich ist, zu erkennen, was du bist, ist es trotzdem notwendig und sehr wichtig, zu erkennen, was du nicht bist. Denn du orientierst dich an allem, womit du dich identifizierst und wenn du dich mit etwas Falschem identifizierst, dann orientierst du dich an etwas Falschem. Du bist all das nicht, wozu du sagen kannst: "Das ist meins." Also zunächst alles Materielle: "Mein Haus, mein Auto, mein Boot." Aber natürlich auch Menschen: "Meine Frau, meine Familie, meine Eltern, meine Geschwister, meine Freunde und mein Körper." Du bist natürlich auch nicht dein Beruf, so viel zu diesem spirituellen Thema, dass alle ihre Berufung suchen. Du bist aber auch nicht deine Gedanken und damit auch nicht deine Meinung. All das kann dir wichtig sein, aber du bist es nicht. Und jetzt kommt etwas Verrücktes. Denn wir sagen auch: "Mein Leben." Das bist also auch nicht du.
Viele Menschen machen den Fehler, dass sie sich nach dieser Erkenntnis sofort auf die Suche danach machen, was sie denn nun sind. Viel wichtiger wäre es, diese Erkenntnis anzuerkennen und erst einmal wirken zu lassen. Erst dann, wenn du wirken hast lassen, was du alles nicht bist, kann es zu einer Desidentifikation kommen. Bei den meisten geschieht das nicht über Nacht und vor allem bringt es nichts, wenn es künstlich geschieht. Es muss eine tiefe Realisierung sein und du musst es in deiner gelebten Praxis immer wieder feststellen.
Das kann nur passieren, wenn deine Gefühle von dem, was du glaubst zu sein, entkoppelt sind. Auch das funktioniert nicht, wenn es künstlich ist, das braucht Zeit. Es geht dabei auch nie darum, wie dich die anderen sehen, sondern nur, wie es für dich tatsächlich innerlich ist. Wenn du versuchst, mit großem Aufwand den anderen zu erklären, wie es für dich ist, bist du immer noch mit dem identifiziert, was du angeblich nicht bist. Der Verstand macht aus dem einen künstlichen Vorgang. Tatsächlich gelebt und in dir ist das Ganze recht unspektakulär. Denn wenn es tatsächlich so ist, hörst du einfach auf, darüber nachzudenken. Damit hat es in deinem Leben einfach keine Bedeutung mehr. Es fällt weg. Es ist nicht einmal mehr etwas, worüber du sprechen musst. Du kannst auch gar nicht mehr darüber sprechen, ohne einen bestimmten Auslöser, denn es ist nicht mehr präsent für dich.
Du hast einfach ein paar Probleme weniger. Denn die meisten Probleme entstehen durch unsere Identifikation. Sie entstehen dadurch, dass wir uns einbilden, etwas zu sein, was wir nicht sind. Wenn unser Fokus auf dieser Einbildung liegt, dann versuchen wir auch, diese Einbildung gegenüber anderen und sogar gegenüber uns selbst zu verteidigen. Wir wollen uns selbst und andere davon überzeugen, dass unsere Identifikation richtig ist. Deshalb sind wir die ganze Zeit damit beschäftigt, uns die Bestätigung von außen zu holen. Und wenn wir sie nicht bekommen oder uns sogar jemand widerspricht, dann tun wir alles, um diese Identifikation bestätigt zu bekommen.
Wenn du erkennst, was du alles nicht bist, dann bleibt am Schluss ganz automatisch das übrig, was du bist. Das musst du dann noch nicht einmal erklären und schon gar nicht bestätigen.