Deshalb vergeht kein Tag ohne Weltuntergangsszenario. Und obwohl bisher kein einziges dieser Szenarien eingetreten ist, tun wir jedes Mal immer noch so, als könnte es eintreten. Die verwendeten Weltuntergangsszenarien reichen von realistisch bis vollkommen absurd. Realistisch ist meistens das, was wir selbst in der Hand haben, wenn wir nicht mitmachen. Unrealistisch sind alle Szenarien, auf die wir überhaupt keinen Einfluss haben.
Davon gibt es übrigens sogar doppelt absurde Szenarien, auf die wir doppelt keinen Einfluss haben. Ein Beispiel dafür ist die Nachricht, dass in einer Million Jahre die Sonne explodiert. Das ist ein Weltuntergangsszenario, das schon oft beschworen wurde und wir bekommen gar nicht mit, wie dumm das ist. Als ob jemand einschätzen oder berechnen könnte, wann die Sonne explodiert! Wir bekommen noch nicht einmal eine vernünftige Wettervorhersage für zwei Wochen hin. Aber wir wissen, was in einer Million Jahren passiert.
Das Ausmaß unserer Dummheit ist wirklich erstaunlich. Den meisten Menschen genügt es, wenn ein Mensch im Anzug irgendetwas präsentiert und wenn ein Moderator bedeutungsschwanger mögliche schlimme Zustände in der Zukunft beschwört, dann wird den meisten ganz anders. Und weil das so gut funktioniert, übernehmen wir das. Wir arbeiten mit Angst vor der Zukunft. Vor allem dann, wenn wir andere beeinflussen und steuern wollen. Menschen, die es auf die Bühne drängt, lernen das sogar in Seminaren. Das nennt man dann die Kunst des Storytelling, also die Kunst, Geschichten zu erzählen. Viele angeblich gute Vorträge sind genau so strukturiert.
Es muss nicht immer ein Weltuntergangsszenario beinhalten, aber Angst vor der Zukunft hat noch nie geschadet. Und deshalb wird sie in die Geschichten eingebaut. Und so steuern Menschen Menschen. Denn die meisten Menschen haben nicht gelernt, ihre Angst zu fühlen. Wären sie dazu in der Lage, müssten sie überhaupt nicht reagieren. Und eine Reaktion ist in diesem Fall auch die Schockstarre. Deshalb genügt es nicht, sich die bisherigen Weltuntergangsszenarien zu vergegenwärtigen und rational zu bearbeiten.
Du kannst dir ja mal den Spaß machen und alle Szenarien, die du bisher kennengelernt hast, aufschreiben. Sie rational zu bearbeiten würde bedeuten, dir jedes Szenario genau anzuschauen und zu realisieren, dass es nicht eingetreten ist. Damit hättest du es rein theoretisch bearbeitet. Das einzige Problem dabei ist: Die Gedanken dazu sind nicht der Kern. Die Gedanken sind nur das Ergebnis des Kerns und der Kern sind deine Körperempfindungen.
Diese Körperempfindungen haben keine Gedanken, sie können aber durch Gedanken ausgelöst werden. Und genau dafür werden Weltuntergangsszenarien verwendet. Sie spielen mit deinen Gefühlen — und zwar genau so lange, bis sie dich in der Hand haben. Das machen sie nicht bewusst. Das ist ihre Programmierung, an die sie sogar selbst glauben. Sie selbst können ihre Gefühle so wenig fühlen, dass sie die Mechanismen überhaupt nicht erkennen können — weder die bei anderen noch ihre eigenen.
So funktioniert das gesamte System: eine unbewusste Programmierung neben der anderen. Es muss gar nicht zentral gesteuert werden, denn wir steuern uns selbst durch Weltuntergangsszenarien und Angst.